Hila Latifi und die Integrationslüge

Shownotes

„Ich bin nicht euer Integrationserfolg!“ Hila Latifi hat keine Lust (mehr), als „Vorzeige-Ausländerin“ instrumentalisiert zu werden. Die gesellschaftlichen Strukturen beschreibt sie als diskriminierend.

Um dagegen politisch etwas zu unternehmen, sitzt Hila Latifi seit Anfang März für Die Linke in der Hamburger Bürgerschaft – und hat es sich zur Aufgabe gemacht, vor allem ihre eigene Community anzusprechen und zu mobilisieren. „Ich habe meinen Wahlkampf zu 90 Prozent auf Dari gestaltet.“ Als junge Mutter und Afghanin sah sie sich von der Politik nicht repräsentiert und beschloss, ihren Aktivismus ins Parlament zu tragen.

In ihrer Arbeit als Diversitätsberaterin und Therapeutin sieht Hila Latifi, wie systemische Abhängigkeiten Individuen prägen. Und sie weiß, warum es kein Zufall ist, dass in Parteien viele Perspektiven fehlen. Das alles versucht sie zu ändern.

Hila Latifi gibt außerdem Einblicke in die aktuelle Situation in Afghanistan und kritisiert den Umgang der Regierung mit afghanischen Menschen. Mit der Machtübernahme der Taliban 2021 erfüllte sie Aufgaben des Staates und schrieb von morgens bis abends an Evakuierungslisten für aufnahmeberechtigte Personen. Mit Host Stephan Anpalagan spricht sie über Widerstände und das politische Scheitern in dieser Zeit.

Außerdem verrät Hila Latifa, warum sie nach ihrer Flucht durch insgesamt elf Länder ausgerechnet in Bremen gelandet ist. Sie berichtet, was sie an den Kita-Streiks wirklich wütend macht. Und teilt, warum sie es liebt, dass sich ihr Leben ständig wandelt.

TRANSPARENZ

Hila Latifa erwähnt in der Schnellfragerunde den Roman „Schwindel“ von Hengameh Yaghoobifarah.

Am Ende der Folge ruft sie dazu auf, die Initiative „Nein zur Bezahlkarte“ zu unterstützen. Sie appelliert an alle Zuhörenden, selbst Gutscheine einzutauschen und sich mit den rassifizierten Menschen zu solidarisieren.

Die Folge mit Hila Latifi wurde am 18.03.2025 aufgezeichnet.

URHEBERRECHT

Im Intro des Podcasts zitieren wir:

Enissa Amani, aus: „Rebels. Ich rebelliere also bin ich“; Folge 2: „Die Macht der Comedy“ vom 13. Dezember 2022, ARD Kultur, Timecode: 00:11:26

Anja Reschke, aus: „Panorama“, Beitrag „Mein Nachbar ist Nazi“ vom 1. Juli 2022, NDR, Timecode: 00:00:05

Disarstar, aus: „Rebels. Ich rebelliere also bin ich“; Folge 1: „Die Macht der Musik“ vom 13. Dezember 2022, ARD Kultur, Timecode: 00:01:45

DANKSAGUNG

Redaktion: Ruth Klages und Jasper von Römer; Hosts: Ninia LaGrande und Stephan Anpalagan; Produktion: Benjamin Jenak; Artwork: Karla Schröder; Sprecherin: Leni Leßmann

FINANZIERUNG

Veto wird anteilig gefördert vom Presse- und Informationsamt der Bundesregierung.

Transkript anzeigen

00:00:00: Es hätte keine Veränderungen dieser Welt gegeben,

00:00:03: wenn nicht irgendjemand gesagt hätte, ach, das müssen wir ändern.

00:00:06: Manchmal muss man klare Kante zeigen.

00:00:09: Das fordert die Gesellschaft ja auch.

00:00:11: Klare Kante gegen rechts heißt es auch zum Beispiel immer.

00:00:14: Die Welt brennt an allen Ecken und Enden.

00:00:16: Haben wir extreme massive Probleme, vor denen sich keiner verschließen kann.

00:00:20: Die Welt ist in Aufruhr.

00:00:22: Doch Aktivistinnen geben Hoffnung.

00:00:24: Du hörst ganz schön laut.

00:00:25: Den Veto-Podcast mit Ninia Lagrande und Steven an Palaggan.

00:00:29: Wir stellen Menschen vor, die für Veränderung etwas riskieren.

00:00:33: Und damit ganz herzlich willkommen zu einer neuen Folge

00:00:41: von "Ganz schön laut", dem Interview-Podcast des Veto-Magazins.

00:00:45: Alle zwei Wochen sprechen wir hier mit Menschen,

00:00:48: die sich aktivistisch engagieren, mit Menschen,

00:00:50: die ihre Stimme erheben, um in dieser Gesellschaft etwas zu bewegen.

00:00:54: Heute habe ich jemanden zu Gast, die es sich zu Motto gemacht hat,

00:00:58: laut, unbequem und solidarisch zu sein.

00:01:02: Sie kämpft als Sozialarbeiterin und Diversitätsberaterin

00:01:05: dafür, gefüchteten Menschen mehr Teilhabe zu ermöglichen.

00:01:09: Unermüdlich setze sich für die afghanische Community

00:01:11: und für feministische Themen ein.

00:01:14: Bei der Hamburger Bürgerschaftswahl

00:01:16: ist sie für die Linken angetreten

00:01:18: und konnte sich einen Platz im Parlament sichern.

00:01:20: Herzlichen Glückwunsch und herzlich willkommen,

00:01:23: liebe Hila Latifi.

00:01:24: Hi, herzlichen Dank für die Einladung.

00:01:26: Wir freuen uns, dass du da bist.

00:01:28: Vor allen Dingen, du hast nach den Bürgerschaftswahlen in Hamburg,

00:01:32: die für dich erfolgreich waren, Zeit gefunden, hier zu sein.

00:01:35: Es ist ganz hervorragend.

00:01:37: Bevor wir darüber sprechen, will ich noch ein bisschen mehr

00:01:40: über dich erzählen, damit unsere Zuhörerinnen

00:01:43: und Zuhörer ein genaueres Bild davon haben,

00:01:45: wer du bist und was du machst.

00:01:47: Du bist in Afghanistan geboren, deine Eltern haben dort

00:01:50: für die sozialistische Regierung in Kabul gearbeitet.

00:01:53: Als die Taliban an die Macht kam,

00:01:55: 11 Länder geflohen, bis ihr schließlich nach Bremen gezogen seid.

00:01:59: Dort bist du aufgewachsen, warst Klassen- und Schulspricherinnen

00:02:03: und bist zum Studium nach Hamburg gezogen.

00:02:06: Viele Jahre hast du als Kunsttherapeutin

00:02:08: im psychosozialen Bereich gearbeitet

00:02:10: und ein Beratungszentrum für systemische,

00:02:13: interkulturelle Fragen gegründet.

00:02:15: Weil du die Untätigkeit der Behörden nicht mit ansehen konntest,

00:02:18: hast du freiwillig die Evakuierungsmission der Regierung

00:02:21: aus Afghanistan unterstützt.

00:02:23: Seit du klein bist, setzt du dich für Gerechtigkeit ein

00:02:26: und kämpfst für die Rechte von Frauen und geflüchteten Menschen.

00:02:29: Zuletzt auch in der Parteipolitik, die Linke konnte,

00:02:32: bei den Hamburger Bürgerschaftswahlen 11,2 Prozent holen.

00:02:35: Dank der vielen Personenstürme für dich

00:02:37: bist du mit ins Landesparlament eingezogen.

00:02:40: Die wichtigste Frage, stimmt das alles?

00:02:43: Oder habe ich jetzt Quatsch erzählt?

00:02:45: Oder habe ich zum Teil Quatsch erzählt?

00:02:47: Ich musste ein bisschen schmunzeln darüber,

00:02:49: was es für Infos über mich zu finden gibt.

00:02:52: Aber es stimmt allerdings alles.

00:02:56: Wir haben eine hervorragende Rechercheabteilung.

00:02:58: Ich merke das schon.

00:03:00: Die nichts anderes macht,

00:03:01: als Hintergrundinformation zu unseren Gästen auszugraben.

00:03:05: Wie geht's dir?

00:03:09: Ach, gerade noch ganz gut.

00:03:12: Die große Aufregung während des Wahlkampfes

00:03:16: ist ein bisschen weg jetzt.

00:03:18: Wir haben ein gutes Ergebnis für Hamburg bekommen.

00:03:21: Und jetzt ist gerade so ein bisschen die Ruhe vor dem Sturm.

00:03:25: Also, wir pausieren gerade ein bisschen diese Woche noch,

00:03:29: bevor es nächste Woche dann richtig losgeht.

00:03:31: Ja, spannend.

00:03:32: Ich finde ja einen Satz richtig interessant in diesem Lebenslauf.

00:03:38: Und zwar, dass ihr von Afghanistan aus elf Länder überquert habt,

00:03:45: um in Bremen zu landen.

00:03:48: Und du dann von Bremen nach Hamburg.

00:03:50: Man denkt sich immer, man hat irgendwie so eine Weltkugel.

00:03:53: Und dann kann man sich irgendeinen Ort oder eine Region aussuchen,

00:03:57: woher man dann irgendwie gehen kann oder will.

00:04:00: Und dann landen die Leute wie, in meinem Fall,

00:04:03: meine Eltern sind auch geflohen in Wuppertal.

00:04:05: Oder wie in deinem Fall dann Bremen auf Old Places.

00:04:09: Warum ist es Bremen geworden?

00:04:11: Ja, das ist auch eine etwas längere Geschichte,

00:04:17: aber gar nicht so untypisch.

00:04:19: Mein Onkel war nämlich vor uns schon hier.

00:04:21: Und er war in Bremen.

00:04:23: Also, wenn es gelingt, dass man an Orte kommt,

00:04:26: an Orten ankommen kann, wo es bereits Familie oder Community gibt,

00:04:31: dann ist es ja genau nicht unüblich,

00:04:34: dass man dann versucht, an dem gleichen Ort zu sein.

00:04:38: Hm.

00:04:39: Du kennst ja auch von den Deutschen.

00:04:41: Die sind jetzt auch nicht überall dort, wo sonst niemand ist,

00:04:44: die zuweilen auch schon mal irgendwie in Spanien oder Mallorca zu finden.

00:04:48: Ähm ...

00:04:49: Wie ist die aktuelle Situation, wie ist die aktuelle Lage in Afghanistan?

00:04:54: Wie ist sie für dich? Hast du noch Verwandte dort?

00:04:57: Gibt es Menschen, die dort sind und mit denen du noch Kontakt hast?

00:05:01: Wie hältst du Kontakt?

00:05:04: Und wie geht es dir, als jemand,

00:05:07: der in der afghanischen Community da unterwegs ist?

00:05:12: Ja, auch eine sehr große Frage.

00:05:14: Zum einen habe ich sehr enge Verwandte noch in Afghanistan.

00:05:18: Und es gibt auch einen Fall von einer Person,

00:05:20: der seit drei Jahren über Familienzusammenführung versucht,

00:05:24: auf Afghanistan zu bekommen.

00:05:26: Und diesen Fall seit jetzt drei Jahren so intensiv mitzuverfolgen,

00:05:31: macht voll viel mit mir.

00:05:32: Also zu merken, an was für Barrieren diese Zusammenführung scheitert

00:05:38: und welche krasse Herausforderung

00:05:41: jedes Mal wieder aufs Neue gestellt werden,

00:05:44: dass dieser Mensch daran gehindert wird,

00:05:46: hier zu seiner Frau, zu seiner Familie,

00:05:49: zu Kernfamilie herzukommen.

00:05:53: Das geht mir sehr nah, weil es auch innerhalb meiner eigenen Familie ist.

00:05:58: Und das auch so intensiv mitzuverfolgen.

00:06:01: Ähm, also das ist, glaube ich, der intensivste Kontakt, den ich habe.

00:06:05: Aber ich habe auch Onkel, Cousins, mit denen ich Kontakt halte.

00:06:10: Und ich würde sagen, dass diese Frage gar nicht so allgemein

00:06:13: für alle Menschen beantwortet werden kann.

00:06:16: Menschen, die dort bleiben und bleiben können.

00:06:20: Also ich glaube, teilweise, je nachdem,

00:06:22: auch wie sie finanziell aufgestellt sind,

00:06:25: haben sie sich und konnten sie sich mit der Situation orangieren.

00:06:29: Wobei es insgesamt den Menschen sehr schlecht geht natürlich.

00:06:34: Es gibt aber auch einige, zu denen ich Kontakt habe,

00:06:38: die tatsächlich um Aufnahmeverfahren sind.

00:06:41: Und da verändert sich ja gerade total viel,

00:06:44: weil das Aufnahmeprogramm für Afghanistan, für Bandit erklärt wurde.

00:06:48: Mit der neuen Regierung wird das nicht weitergeführt.

00:06:53: Und ich glaube, sehr viele Menschen sind gerade in Leben

00:06:57: mit einer krassen Ungewissheit, dass sie wissen,

00:07:00: sie können eigentlich nicht bleiben,

00:07:02: aber sie wissen auch jetzt mit Sicherheit,

00:07:04: dass sie nicht mehr nach Deutschland geholt werden.

00:07:07: Kannst du ein bisschen mehr zu der politischen Situation,

00:07:11: der politischen Lage erzählen?

00:07:13: Wie alle haben die fürchterlichen Bürger gesehen,

00:07:16: die Taliban haben Kabul erobert,

00:07:17: die Herrschaft in Afghanistan, wie ist die Lage?

00:07:20: Also unterscheidet sie sich zwischen dem,

00:07:23: wie es vor drei Jahren war, oder zwei Jahren.

00:07:26: Und unterscheidet sie sich zwischen Kabul und den anderen Gebieten?

00:07:30: Merkt man, dass die Taliban Jagd auf die Menschen machen,

00:07:34: die den US-amerikanischen deutschen Streitkräften geholfen haben?

00:07:37: Also wie ist es dort jetzt gerade?

00:07:39: Ich glaube, vor zwei ...

00:07:42: Also ich glaube, fast jährlich wurde eine neue Hungaskrise ausgerufen.

00:07:49: Und die Situation verschlimmerte sich von Jahr zu Jahr zum einen.

00:07:54: Fehlen medizinische Versorgung.

00:07:57: Zum anderen mangelt es immer mehr an medizinischen Fachkräften,

00:08:01: insbesondere an weiblichen Personen.

00:08:07: Ich glaube, die Situation verschärft sich mit der Zeit immer stärker.

00:08:13: Und es gibt viel weniger Perspektive darauf,

00:08:17: dass sich etwas verändern wird.

00:08:19: Hilfsgelder, die das in das Land kommen,

00:08:21: laufen alle über die Taliban und kommen nicht bei den Menschen an,

00:08:25: die das brauchen.

00:08:27: Das heißt, dass die Gesamtsituation sich jährlich immer stärker verschärft.

00:08:34: Und es ist aber so ungewiss, wo das irgendwie hinführt.

00:08:37: Natürlich ist die Situation auf dem Land noch mal eine andere

00:08:41: als in den Städten.

00:08:43: Ich persönlich hab keine Menschen, die sehr ländlich wohnen.

00:08:48: Also ich hab da keine persönlichen Erfahrungen dazu.

00:08:51: Aber das ist das, was ich lese, was ich höre von anderen Personen.

00:08:56: Dass es gerade immer ...

00:08:59: dass die Not immer akuter wird und das gerade nicht klar ist,

00:09:03: worauf das hinausläuft.

00:09:05: Hm.

00:09:06: Es gibt hier immer mehr Forderungen, mit den Taliban zusammenzuarbeiten,

00:09:11: um Menschen, die in Deutschland sind, also Afghanistan, abzuschieben.

00:09:17: Das wird ja nur gehen, wenn es dort irgendwelche Ansprechpartner gibt

00:09:21: in der Regierung.

00:09:23: Und auch Trump, wenn ich das richtig auf dem Schirm hab,

00:09:27: hat damals angefangen, in welcher Form auch Gespräche mit Taliban,

00:09:31: Taliban-Führern zu führen.

00:09:33: Wie stehst du dazu, mit diesen Menschen

00:09:37: irgendeine Form von politischer Auseinandersetzung zu führen?

00:09:41: Man muss sich mal anschauen, von welcher Seite,

00:09:44: von wem diese Forderungen kommt.

00:09:46: Ich würde schon sagen, dass hier ein sehr deutlich aus der rechten Ecke

00:09:51: kommt, weil wir gleichzeitig ...

00:09:53: Wir haben eine Gleichzeitlichkeit von, dass einerseits

00:09:57: der Europäische Gerichtshof letztes Jahr anerkannt hat,

00:10:00: dass alle afghanischen Frauen schon allein, weil sie Afghaninnen sind,

00:10:06: in Europa, als Asylsuchende anerkannt werden müssen,

00:10:10: ohne individuelle Verfahren.

00:10:12: Weil mittlerweile klar ist, um das ausreichende Berichte darüber gibt,

00:10:17: wie stark die Verfolgung durch die Taliban ist.

00:10:21: Und gleichzeitig sollen aber die gleichen Taliban anerkannt werden,

00:10:27: um Menschen nach Afghanistan abschieben zu können.

00:10:30: Also, das ist wieder eine sehr absurde Situation, in der wir sind.

00:10:36: Also, ich glaube, wir merken, dass sie überhaupt nicht zusammenpasst.

00:10:41: Deswegen, ich finde, diese Forderung absolut absurd,

00:10:44: dass wir Semisten, dass wir Terroristen anerkennen sollen,

00:10:49: nur mit der Möglichkeit, Menschen hier abschieben zu können.

00:10:55: Das halte ich nicht für sinnvoll.

00:10:58: Und ich glaube, dass es den Taliban im Land noch eine stärkere Repression

00:11:04: gegenüber den Zivil- ... der Zivilbevölkerung ermöglichen würde.

00:11:09: Und da müssen wir total vorsichtig sein auch.

00:11:11: Und wie die rechtliche Situation dazu ist,

00:11:14: das kann ich persönlich jetzt nicht einschätzen.

00:11:17: Aber so mit dem Gericht ... mit dem ...

00:11:19: mit der Entscheidung des Europäischen Gerichtshof

00:11:22: klingt das für mich wie ein krasser Widerspruch auch.

00:11:26: Es gab ja diese Bilder, die haben wir alle im Kopf,

00:11:30: wie die westlichen Truppen abgezogen sind, auch die Bundeswehr.

00:11:36: Und dann war ja die Frage, wie gehen wir mit den Menschen,

00:11:39: um die der Bundeswehr geholfen haben.

00:11:41: Es waren ja Übersetzerinnen, Rechercheure,

00:11:43: investigativ arbeitende Menschen.

00:11:46: Es gab aber auch im Fahrraum Köche.

00:11:48: All die sind ja weitestgehend zurückgeblieben

00:11:50: bzw. wurden zurückgelassen, einige wurden nach Deutschland geholt.

00:11:54: Das sind die Begriffe nicht ganz furchtbar,

00:11:56: aber das ist der, der sich eingebürgert hat,

00:11:58: die sogenannten Ortskräfte.

00:12:00: Die Frage, warum es so unglaublich schief gelaufen ist,

00:12:03: das hat ja mehrere Untersuchungsausschüsse beschäftigt.

00:12:06: Du warst dabei als Beobachterin über eine ganze Strecke.

00:12:11: Du warst auch tätig, als es darum ging,

00:12:14: diese Evakuierungsmission mitzugestalten und zu koordinieren.

00:12:19: Und du hast, und das ist mir ins Auge gesprungen,

00:12:25: du hast dich gemeldet, Listen zu schreiben.

00:12:28: Also vielleicht aber so zwei Fragen.

00:12:30: Wie erinnerst du dich an diese Zeit?

00:12:32: Und was sind das für Listen?

00:12:35: Vielleicht noch mal zur Erinnerung.

00:12:40: Es war kurz vor der Evakuierung, kurz nach dem Klarwart,

00:12:45: dass die Taliban Afghanistan übernehmen werden,

00:12:48: wurden die Forderung noch klauter zu sagen, was passiert mit.

00:12:56: Also dann wurde diese Frage noch akuter,

00:12:58: was passiert mit all den Menschen?

00:13:00: Es wurde sehr darüber geschätzt,

00:13:03: dass Alkohol aus Afghanistan ausgeflogen wurde,

00:13:07: weil klar war, okay, also es war was im Gange.

00:13:11: Aber es gab keine Antwort darauf,

00:13:15: was mit den Menschen, mit den sogenannten Ortskräften passieren wird.

00:13:20: Und da gab es aus dem Auswärtigen Amt die Information,

00:13:23: ja, wir würden ja evakuieren, aber wir wüssten nicht wehen,

00:13:27: also wer jetzt akut in Gefahr sei.

00:13:30: Auch das ist eine total absurde Aussage,

00:13:34: weil diese Menschen, die du auch gerade aufgezählt hast,

00:13:36: die sind ja dort registriert gewesen,

00:13:39: sie sind ja dort beschäftigt gewesen.

00:13:41: Das heißt, es muss diese Liste an Menschen gegeben haben.

00:13:46: Ich habe aber mit einer Gruppe von Personen,

00:13:49: wir haben aber entschieden, wenn es jetzt daran scheitern sollte,

00:13:52: dass es keine Listen von Personen gibt,

00:13:54: die Aufnahme berechtigt wären, dann machen wir diese Listen.

00:13:58: Es gab eine E-Mail-Adresseform aus Wärtigen Amt,

00:14:03: und wir haben Dokumente, die sie ausgegeben haben.

00:14:07: Das waren so ganz normale PDF-Dokumente.

00:14:10: Wir haben dann Personen aufgenommen,

00:14:12: die sich an uns wenden konnten,

00:14:14: an einer Gruppe von den sieben Personen, die wir waren.

00:14:17: Und wir hatten, glaube ich, so nach einer Woche

00:14:20: 3000 Menschen aufgenommen und haben dann diese Listen weitergeleitet

00:14:24: an das Auswärtige Amt.

00:14:26: Und das sind die Listen, an denen wir gearbeitet haben.

00:14:30: Es war eine sehr intensive Zeit.

00:14:32: Wir haben wirklich, es gibt ja einen Zeitunterschied nach Afghanistan,

00:14:35: das heißt, wir haben von morgens bis abends Listen erstellt.

00:14:39: Wir haben uns kontaktiert, haben unsere Geschichten erzählt.

00:14:43: Dann mussten wir uns auch in einer kürzester Zeit organisieren.

00:14:46: Wir waren technisch dafür überhaupt nicht ausgestattet.

00:14:49: Und ich hatte während ich diese Tätigkeit durchgeführt hab,

00:14:53: auch krasse Widerstände, weil ich dachte,

00:14:57: ich bin nicht qualifiziert dazu.

00:14:59: Es gibt keine Zeit dazu zu überlegen,

00:15:02: ob das das richtige Verfahren ist, ob wir gerade wirklich ...

00:15:06: Wir haben das nicht beurteilt, wenn sich Menschen uns gewarnt haben,

00:15:10: wir haben sie aufgenommen, wir haben das weitergeleitet.

00:15:14: Wir haben eine sehr administrative Aufgabe zu dem Zeitpunkt übernommen.

00:15:18: Gleichzeitig hatte ich auch soziale Widerstände in mir,

00:15:21: weil ich gedacht hab, eigentlich ist das Aufgabe des Auswärtigen Amts,

00:15:25: eigentlich ist das Aufgabe der Regierung das zu tun.

00:15:28: Warum müssen wir als Zivilgesellschaft

00:15:30: in so einer akuten Situation jetzt einspringen,

00:15:33: diese Listen erstellen?

00:15:35: Und auch immer diese Ungewissheit darüber, was passiert damit?

00:15:39: Zu was tragen wir denn bei?

00:15:41: Also, werden sie evakuiert, werden sie nicht evakuiert?

00:15:44: Weil wir uns diese ganzen Geschichten der Menschen noch angeradht haben.

00:15:48: Und wir ganz klar wussten, wie akut das gerade ist

00:15:52: und wie gefährdet die Leben dieser Menschen sind.

00:15:56: Es war eine sehr intensive Zeit,

00:16:00: wo ich auch teilweise sehr in so einem Funktionsmodus

00:16:04: umgeschaltet habe, weil ich gemerkt hab, ist das so wenig Zeit.

00:16:08: Ich will diese Aufgabe jetzt ausführen.

00:16:10: Ich will maximal Druck machen, dass diese Menschen geholfen wird.

00:16:14: Ähm ...

00:16:15: Genau, und hab ganz viele Fragen dann für mich beiseitegeschoben

00:16:19: und dachte so, wir müssen das irgendwann,

00:16:22: ich muss das irgendwie im Nachhinein noch mal gut für mich aufarbeiten.

00:16:26: Aber genau in den drei Wochen, wo wir so intensiv damit beschäftigt waren,

00:16:31: war überhaupt für nichts anderes mehr Raum.

00:16:34: Hm.

00:16:35: Wie viele von denen, die auf der Liste waren,

00:16:37: haben es nach Deutschland geschafft? Weißt du das?

00:16:40: Es gab mal eine Zahl, die uns gesagt wurde, 127.

00:16:44: Die ist aber für uns nicht nachvollziehbar gewesen.

00:16:47: Also, wir hatten keinen Einblick darauf, welche Person.

00:16:51: Und ...

00:16:52: Ähm, genau.

00:16:54: Das ist eine Zahl, die uns dann gesagt wurde.

00:16:56: Hm.

00:16:57: Wie hat es dein Verhältnis zu Deutschland

00:17:03: beeinflusst oder verändert, ähm ...

00:17:06: dass du gesehen hast ...

00:17:08: ähm, also jenseits all der Dinge, die es ja möglicherweise auch mal zu besprechen gibt.

00:17:12: Und die werden wir auch reden, die ...

00:17:14: Defizite, auch der Gesellschaft, der Rassismus oder die Ausgrenzung.

00:17:19: Aber an der Stelle war ja doch irgendwie so etwas, was so ...

00:17:23: sich zumindest für mich als Außenstehende wie so ein Vertragsbruch anfühlte.

00:17:27: Oder irgendwie, wie jemand versprechen dich einlöst.

00:17:30: Also, ihr helft uns hier ...

00:17:32: ähm, und unseren Soldatinnen und Soldaten und der Bundeswehr

00:17:36: und dem Staat, dem Auswärtigen Amt,

00:17:38: all diesen, ne, oder den Nachrichtendiensten, die da sind.

00:17:41: Und wir schützen euch.

00:17:43: Und für den Fall, dass wirklich ...

00:17:45: dass die Kacke am Dampfen ist, holen wir euch raus.

00:17:47: Und wir sorgen dafür, dass euch und eurem Familien gut geht.

00:17:51: Denn ihr seid ja sehr offensichtlich als Erste auf so 'ner Todesliste,

00:17:54: wenn die Taliban kommen.

00:17:56: Und ... Deutschland ist dem ja nicht gerecht geworden.

00:17:59: Ich hab da tatsächlich auch drüber geschrieben,

00:18:01: und ich hab ja auch dazu geschrieben,

00:18:03: hat ja sehr offensichtlich versucht, diese Leute loszuwerden.

00:18:06: Mit sehr fadenscheidigen Mitteln.

00:18:08: Und hat dann irgendwie 'n halbes Jahr vorher angefangen,

00:18:11: die Leute von der Bundeswehr,

00:18:13: wo die Arbeitsverträge ausgegliedert wurden.

00:18:16: Und dann hieß es, ihr seid ja gar nicht direkt bei der Bundeswehr.

00:18:19: Also, wirklich ganz schlimmer und eklig.

00:18:21: Wie hattest dein Verhältnis zu diesem Land beeinflusst?

00:18:24: Hattest du das beeinflusst?

00:18:26: Oder hattest du eh schon so ein schlichtes Bild von Deutschland?

00:18:29: Hätte ich nicht gedacht, dass die derart ...

00:18:31: ja, wortbrüchig werden würden,

00:18:33: und man sich auf die Zusagen wirklich gar nicht verlassen kann.

00:18:37: Die Überkühlungsmission ist ja ein Teil ...

00:18:42: eines Bundeswehreinsatzes gewesen, was 20 Jahre gedauert hat.

00:18:47: Das war ja quasi ...

00:18:49: der Abschluss dieses gesamten Einsatzes.

00:18:53: Und ich finde, wenn man ...

00:18:56: diesen gesamten Einsatz mitverfolgt hat,

00:18:59: dann gab's ja so verschiedene Phasen.

00:19:02: Und ich finde, das ist lange vorher,

00:19:06: lange bevor dieser Vertrauensbruch, wie du das gesagt hast,

00:19:11: auch passiert ist,

00:19:13: haben Menschen in Afghanistan ganz klar gesagt,

00:19:18: was macht ihr hier eigentlich?

00:19:20: Also, was passiert hier eigentlich?

00:19:22: Wie kann es sein, dass ...

00:19:24: westliche europäische, deutsche Einsatzkräfte hier vor Ort sind,

00:19:29: für Demokratie kämpfen wollen, für Demokratie hier sind?

00:19:33: Das ist der Auftrag quasi.

00:19:36: Und trotzdem merkwürdige Absprachen

00:19:41: mit damals schon Warlords getroffen werden.

00:19:44: Also, es war ja ...

00:19:45: dieser ganze Einsatz war ja durchgehend sehr in der Kritik.

00:19:49: Und ich hab das mitverfolgt.

00:19:52: Und ich finde, die Wakierungsmission,

00:19:55: die gescheiterte Wakierungsmission,

00:19:58: der mangelnde Willen daran,

00:20:00: Menschen rechtzeitig rauszuholen, die in Lebensgefahr waren.

00:20:06: Und wie du gesagt hattest, mit der Bundeswehr,

00:20:08: ähnliche Fälle gab's ja bei der GEZ,

00:20:10: dass die auch lange vorher schon Scheinselbstständigkeiten

00:20:14: abgeschlossen haben.

00:20:16: So dass die natürlich nicht juristisch mehr verantwortlich sind

00:20:19: für die jeweiligen Personen, die dort gearbeitet haben.

00:20:22: Und die, die benutzt wurden,

00:20:24: um nicht verantwortlich für die Menschen zu sein.

00:20:27: Ich glaube, ich sehe das so in einem Gesamtbild.

00:20:31: Und ich glaube, dass es mich nicht überrascht hat.

00:20:36: Es hat mich schon auch irgendwie im ersten Moment schockiert.

00:20:40: Weil ich gedacht hab, boah, krass, kann das eigentlich sein,

00:20:43: dass das gerade passiert.

00:20:45: Und ich glaub, im nächsten Moment, Afghanistan,

00:20:48: ist, glaub ich, dein auch ein Beispiel von vielen.

00:20:51: Wenn man das dann mit anderen Ländern und anderen Einsätzen vergleicht.

00:20:55: Ich weiß gar nicht, ob ich das so individuell für mein,

00:20:58: zu meinem Verhältnis, ähm, genau,

00:21:00: also isoliert darauf irgendwie blicken kann insgesamt.

00:21:04: Ja, vielleicht hat mich das wieder, wieder einmal erschüttert.

00:21:08: Vielleicht hat es mich wieder einmal entfäuscht, oder ...

00:21:12: Ja, nee, finde ich nicht so die richtige Beschreibung für.

00:21:17: Hm.

00:21:18: Seit Ende Februar werden wieder ehemalige Ortskräfte nach Deutschland

00:21:23: eingeflogen, dreieinhalb Jahre nach dem Fall Kabuls.

00:21:27: Warum hat das so lange gedauert?

00:21:30: Warum hat man das überhaupt gemacht?

00:21:32: Also man, ähm, ich hätte verstanden, wenn man sagt,

00:21:35: ja, wir wollen mit euch alles nichts mehr zu tun haben.

00:21:38: Ich hätte natürlich viel besser verstanden oder mehr ...

00:21:41: Zuspruch gegeben, wenn man gesagt hätte, okay, wir holen die Leute

00:21:45: jetzt einfach mal im Kontingent nach Deutschland.

00:21:48: Also das ist irgendwie eine ganz seltsame Geschichte.

00:21:51: Ähm, was ist denn da jetzt dann vorgefallen,

00:21:54: dass dieser Flug stattgefunden hat?

00:21:56: Oder diese Flügel stattfinden?

00:21:58: Ähm, es war ja so, dass, ähm, dieser ganze Verfahren oder ...

00:22:05: Also es, bei ...

00:22:06: Wir müssen uns mal anschauen, was währenddessen hier in Deutschland los war.

00:22:11: Wir standen kurz vor den Wahlen.

00:22:13: Ja, es war ja kurz vor den letzten Bundestagswahlen.

00:22:17: Und während des Wahlkampfes wurde natürlich auch mit dem Thema Afghanistan

00:22:22: ganz viel Wahlkampf gemacht.

00:22:24: Es wurden Versprechen abgegeben.

00:22:26: Es wurde gesagt, wir werden uns darum kümmern,

00:22:29: dass zurückgelassene Menschen nach Deutschland geholt werden,

00:22:34: wie in welcher Form.

00:22:35: Das war dann zu dem Zeitpunkt noch nicht klar.

00:22:37: Und als wir dann hier eine neue Regierung hatten,

00:22:41: stand das Versprechen dann im Raum,

00:22:44: dass Menschen jetzt in welcher Form nach Deutschland geholt werden müssten.

00:22:48: Dann gab es kein juristisches Verfahren,

00:22:51: was besser gewesen wäre,

00:22:53: da die Menschen nach Deutschland zu holen.

00:22:55: Sondern es wurde dann ja so ein humanitäres Programm ...

00:22:59: Aufgesetzt.

00:23:04: Aufgesetzt, dass insbesondere gefährdete Personen

00:23:07: unter anderem auch Quierer-Mädchen und Frauen nach Deutschland holen,

00:23:12: und dann wurden aber die Aufnahmeverfahren so intransparent

00:23:15: und so kompliziert gestaltet,

00:23:18: dass sieben Monate später noch keine einzige Person

00:23:22: über dieses Programm nach Deutschland gekommen war.

00:23:27: Und dass diese Aufnahmeverfahren aber völlig intransparent

00:23:31: und sehr kompliziert und sehr bürokratisch sind.

00:23:34: Auch das wurde von Anfang an kritisiert.

00:23:36: Es wurde versprochen,

00:23:39: dass über dieses Aufnahmeprogramm

00:23:41: tausend Menschen im Monat nach Deutschland kommen sollen.

00:23:45: Dass das absolut nicht eingehalten wurde, ist auch klar.

00:23:49: Ich weiß nicht, ich sitze manchmal auch da und denke mir,

00:23:52: was passiert hier?

00:23:54: Wieso passiert das gerade hier?

00:23:56: Ist das alles Politik?

00:23:58: Ist das, wie Menschen Politik machen,

00:24:00: konsequenterweise hätten sie dann einfach sagen können,

00:24:04: okay, wir machen das jetzt nicht.

00:24:06: Aber anstatt das zu sagen, wird so getan,

00:24:09: als wenn es ein Aufnahmeprogramm gibt,

00:24:11: was aber überhaupt nicht funktioniert.

00:24:13: Ich kann es dir nicht sagen,

00:24:15: aber ich bin einfach selbst völlig irritiert von dem Vorgehen

00:24:21: der Regierung bezüglich Afghaninnen einfach gewesen.

00:24:26: Hm.

00:24:28: Ähm, ich weiß nicht, ob du diesen Podcast kennst.

00:24:32: In diesem Podcast muss gespielt werden.

00:24:35: Also an zwei Stellen müssen wir, glaube ich, ein Spiel machen.

00:24:39: Und das Spiel, das jetzt kommt, heißt ganz schön knapp

00:24:42: und alles auf Zeit.

00:24:43: Du hast 60 Sekunden Zeit, ich feuere ganz viele Fragen ab.

00:24:47: Und du musst sie so schnell wie möglich beantworten.

00:24:50: Und je nachdem, was du sagst, können wir dann das ein oder andere

00:24:54: noch mit rüberziehen in die nächste Gesprächsrunde.

00:24:56: Los geht's.

00:24:57: (Dynamische Musik)

00:24:59: Ganz schön knapp, alles auf Zeit.

00:25:05: Welches Buch liegt auf deinem Nachttisch?

00:25:09: Das neue Buch von Hangermee.

00:25:12: (Lachen)

00:25:13: "Schwindel".

00:25:14: Was war dein letztes Kulturerlebnis?

00:25:16: Puh.

00:25:20: Ah, Naturkundemuseum.

00:25:24: Na, welche Überschriften möchtest du mal gerne über dich lesen?

00:25:28: Puh.

00:25:30: Schwierig.

00:25:34: Wie möchtest du mal ein Denkmal errichten?

00:25:37: (Dynamische Musik)

00:25:38: Meiner Oma.

00:25:44: Mit wem hast du noch eine Rechnung offen?

00:25:48: Ich bin richtig schlecht, wenn wir zum Spiel ...

00:25:57: (Lachen)

00:25:58: Sorry.

00:25:59: (Sie schluchzt.)

00:26:00: Kein Problem.

00:26:01: Aber falls du irgendwann mal zu Werboden millionär gehen musst

00:26:05: oder möchtest, dann musst du dich vorhin noch ein bisschen vorbereiten.

00:26:08: Das glaub ich nicht, dass ich da mal lande.

00:26:11: (Lachen)

00:26:12: Wenn ihr das mal in aller Freudlichkeit und Sympathie so sagt.

00:26:16: Ähm ...

00:26:17: Ich hab mir in der Vorbereitung auf dieses Gespräch einen Satz gelesen,

00:26:21: auch in diesem Redaktionstock.

00:26:23: Das waren so zwei, drei Sätze, die fand ich richtig gut.

00:26:26: Hm ...

00:26:28: Und ...

00:26:29: Also, es gibt ein Video von dir, wie du durch Hamburg läuft.

00:26:32: Läufst.

00:26:34: Und dann sagst du irgendwann den Satz,

00:26:35: ich bin nicht euer Integrationserfolg.

00:26:38: Und ...

00:26:41: Das Märchen davon, wenn du dich genug anstrengst,

00:26:43: kannst du schaffen.

00:26:44: Und ich bin nicht die gute Ausländerin,

00:26:47: damit ihr auf die schlechten zahlen könnt.

00:26:49: Ähm ...

00:26:50: Ich fand das zu mich cool.

00:26:52: Also ...

00:26:53: Nicht das Video und auch nicht die ganzen parteipolischen Einfassungen.

00:26:58: Aber ich find diese ...

00:26:59: Aussagen ...

00:27:01: sehr wichtig.

00:27:03: Weil ...

00:27:04: es, glaub ich, viele Menschen gibt.

00:27:06: Und da würde ich jetzt mal uns beide so ...

00:27:08: als Kollektiv nehmen, die so sind wie wir,

00:27:11: die irgendeine Form von ...

00:27:12: Integrationserfolg oder irgendeinem Lebens- und Karrierevolk vorzuweisen haben.

00:27:16: Und dann sagt man ...

00:27:17: Und wie habst du auch geschafft, warum schaffen's die vielen anderen nicht?

00:27:21: Und ...

00:27:22: Man zeigt aber nicht auf die erfolgreichen Unternehmer in Deutschland

00:27:26: und auf die vielen, die es nicht geschafft haben.

00:27:28: Und sagt dann, das ist ja klar, dass es eine sozial-darwinistische Komponent hat.

00:27:32: Warum war dir das wichtig?

00:27:34: Warum hast du das gemacht?

00:27:35: Weil manche denken sich das einfach nur,

00:27:37: aber du hast es ja in so ein Video gepackt.

00:27:40: Also, zum einen sind das auch ...

00:27:42: Erfahrungen, die mich und ...

00:27:44: ähm, mich schon seit meiner Jugend prägen,

00:27:47: dass ich immer als so die Erfolgs- ...

00:27:49: Integrationserfolgsgeschichte irgendwie verkauft werde.

00:27:53: Ähm ...

00:27:54: Und zum anderen ...

00:27:55: ähm, ja, also ich glaube, mir war es auch wichtig ...

00:27:58: darüber zu sprechen, weil wir, glaube ich ...

00:28:03: Aber wie du schon sagst, also für Menschen,

00:28:05: die genau diese Erfahrungen machen, für die ist das total präsent,

00:28:08: sie wollen nicht, als die besseren Ausländer irgendwie verkauft werden.

00:28:12: Sie wollen nicht ...

00:28:13: ähm, dieses Integrations ...

00:28:15: diese Integrationslüge bestätigen.

00:28:18: Und dennoch werden sie dazu ähm, genutzt.

00:28:22: Und ich glaube, das war mir irgendwie wichtig,

00:28:24: das irgendwie aufzugreifen und zu sagen.

00:28:26: Ich meine, zum einen, ich bin mit zehn Jahren nach Deutschland gekommen.

00:28:30: Das ist überhaupt nicht selbstverständlich,

00:28:33: dass ich heute da bin, wo ich bin.

00:28:35: Und gleichzeitig will ich sagen,

00:28:37: dass, dass es absolut nichts mit ...

00:28:41: äh, Integrations ...

00:28:43: Also was heißt nichts mit Integrationslühnungen hat?

00:28:45: Dass es mir gelungen ist, dass ich das jetzt ...

00:28:48: ähm, trotzdem diese Geschichte an der Biografie erzählt werden kann,

00:28:52: ist einfach nur, dass ich irgendwie Glück hatte.

00:28:55: Es ist einfach wichtig, dass man sich die unterschiedlichen Voraussetzungen

00:28:59: und die Menschen gucken.

00:29:00: Es hängt von so merkwürdigen Zufällen ab,

00:29:03: wer wo landet.

00:29:05: Und äh, einerseits, genau so eine Geschichte oder zu hören,

00:29:09: dass Menschen genau so eine Geschichte über mich zu erzählen.

00:29:13: Ähm, war mir wichtig dann auch das aufzuzeigen,

00:29:16: dass ich genau so eine Geschichte aber eigentlich nicht bin,

00:29:19: dass Menschen da genauer hingucken müssen.

00:29:21: Und ähm, das ...

00:29:23: ja, das ist wichtig, ich finde,

00:29:25: dass ich selber wichtig fand, für mich das zu reflektieren.

00:29:29: Ich meine, als Jugendliche war das total toll,

00:29:32: wenn ich dann ausgezeichnet wurde, für Leistungen, für Engagement.

00:29:36: Ich war die einzige Ausländerin in meinem Jahrgang.

00:29:40: Und es war, ich wurde dann schnell mal die eine Besondere,

00:29:44: die irgendwas geleistet hat.

00:29:47: Also ich hab halt schon ...

00:29:48: Das ist ein Narrativ, was die ganze Zeit bespielt wird.

00:29:52: Seit ich in Deutschland bin, ich kenn's, es wiederholt sich die ganze Zeit.

00:29:56: Ähm, mir war's wichtig,

00:29:58: da noch mal genauer, ähm, drüber zu sprechen.

00:30:01: Und da den Blick noch mal für, ähm, ja,

00:30:04: da noch ein bisschen Aufmerksamkeit für zu schaffen.

00:30:07: Ist ja auch interessant, ne?

00:30:09: Es gibt das rassistische Narrativ, dass die faul sind,

00:30:12: die Ausländer, dass die sich nicht integrieren wollen.

00:30:15: Und dann nutzt man dann die zwei, drei, vier,

00:30:18: die erfolgreich geworden sind,

00:30:19: um dann das Narrativ einfach genauso weiterzuspielen,

00:30:22: zu sagen, okay, sieh, sieh.

00:30:24: Im Gegensatz, also man wird dann instrumentalisiert

00:30:26: und das ist die Narrative, das ist ja eigentlich völlig verrückt.

00:30:30: Also du hast jetzt grad auf den ...

00:30:32: Ich musste selber so ein bisschen im Kopf sortieren,

00:30:35: weil du gesagt hast, im Wahlkampf hat man versprochen,

00:30:37: die Afghanen nach Deutschland zu holen.

00:30:40: völlig dominiert hat. Abschieben Grenzen zu.

00:30:44: Afghanen, Syrer nach Hause.

00:30:48: Ähm, Kriminalität, Sexualverbrechen.

00:30:52: Ähm, Messer, weiß ich nicht.

00:30:54: Ähm ...

00:30:55: Da muss ich eine Sache richtig stellen. - Ja.

00:30:58: Ich hab von nicht dem letzten, sondern vorletzten Beitrag gesprochen.

00:31:02: Weil genau, die Italien waren seit der 21 an die Macht gekommen.

00:31:06: Und da waren wir noch vor den ... die Weinen wurden vorgezogen.

00:31:11: Deswegen genau, dass jetzt in kürzerer Zeit waren,

00:31:14: über denen wir sprechen.

00:31:16: Ich glaube, das ist eine ganz wichtige Klarstellung.

00:31:19: (Lachen)

00:31:20: Aber das ist ja auch ... okay, pass auf, das ist noch viel spannender.

00:31:24: Diese beiden Wahlkämpfer haben sich ja sehr unterschieden

00:31:27: von einander offensichtlich. - Ja, absolut.

00:31:30: Was ist passiert?

00:31:31: Warum war das so?

00:31:32: Hat sich der Blick auf die Afghanen verändert,

00:31:35: hat sich der Blick der deutschen Bevölkerung verändert,

00:31:38: haben wir vergessen, dass die in Afghanistan waren.

00:31:41: Was ist passiert, dass die Afghanen von ...

00:31:43: wir müssen die retten und dann ...

00:31:45: irgendwelche Bildredakteure in diesen komischen Fliegern,

00:31:49: in diesen A400M oder was, ne?

00:31:51: Und dann, vier Jahre später, sind das die Sündenböcke der Nation.

00:31:54: Interessanterweise redet jetzt auch wieder keiner mehr davon.

00:31:58: Jetzt geht's wieder um Brücken und Schulen und Krankenhäuser.

00:32:01: Aber sechs, acht, zwölf Wochen im Wahlkampf

00:32:04: ist nur Afghanen raus aus Deutschland.

00:32:06: Was ist passiert?

00:32:07: Ja, in der Zwischenzeit ist der Ukrainekrieg passiert,

00:32:13: ist das Corona passiert, dass das hier nicht gut aufgearbeitet wurde,

00:32:21: dass das durch Politik instrumentalisiert wurde,

00:32:25: dass Rechte Narrative geschürt wurden,

00:32:31: dass dazu dann auch immer geflüchtete Menschen genutzt werden,

00:32:36: um dafür instrumentalisiert werden,

00:32:39: um dann so eine Schuldenbockpolitik zurechtfertigen.

00:32:43: Ich glaube, das sind jetzt meine spontane Gedanken,

00:32:47: also meine kurze Zusammenfassung von dem,

00:32:50: was in der Zwischenzeit passiert ist.

00:32:52: Es ist nicht lange für so eine krasse Entwicklung vor,

00:32:56: wir müssen irgendwie den Afghanen helfen,

00:32:58: wir müssen unser Versprechen einhalten,

00:33:01: wir müssen alle Grenzen zu machen

00:33:03: und keinen einzigen Afghanen mehr nach Deutschland lassen.

00:33:06: Aber ich würde sagen, dass das so in der Zwischenzeit passiert ist.

00:33:11: Ich glaube, daran merkt man auch, dass es so willkürlich ist,

00:33:15: was für eine Zeit hier gerade ist, was hier gerade Phase ist

00:33:19: und wozu man welche Schicksale gerade instrumentalisieren kann,

00:33:23: um hier die Politik zurechtfertigen.

00:33:27: Kurze Werbeunterbrechungen eigener Sache.

00:33:30: Mit Veto geben wir Aktivismus eine mediale Bühne.

00:33:33: Wir erzählen von denen, die aufstehen und ihre Stimme erheben.

00:33:37: Was sie wollen, was sie antreibt,

00:33:39: das lest ihr jede Woche neu auf veto-magazin.de.

00:33:43: Du hast 2021 das Systemische Intersektionale Institut gegründet,

00:33:54: in dem du Menschen zur Diversität berätst und fortbildest.

00:33:58: Was ist das Systemische Intersektionale Institut

00:34:03: und was ist der Systemische Intersektionale Ansatz?

00:34:06: Der Systemische Ansatz kommt von der Systemtheorie.

00:34:14: Ich arbeite ja im psychosozialen Kontext

00:34:18: und das Systemische Ansatz ist einfach ein Ansatz,

00:34:22: der nicht so individuell auf einzelne Personen schaut,

00:34:27: sondern die Idee ist, dass wir alle in Systemen leben.

00:34:32: Das kommt von einer Familientherapie.

00:34:34: Also Familie ist ein gutes Beispiel, dafür aufzuzeigen,

00:34:39: dass wenn eine Person in der Familie etwas hat,

00:34:43: dass die ganze Familie daran involviert ist

00:34:49: und dass man Systeme als ganze betrachten und so besser unterstützen kann.

00:34:55: Und das kann man größer aufziehen,

00:34:57: indem man sogar Gesellschaft als System versteht,

00:35:01: dass wir innerhalb eines Systems unterschiedliche Rollen einnehmen,

00:35:05: aber alles miteinander zusammenhängt.

00:35:07: Das ist das Systemische Ansatz.

00:35:09: Ich fand den total spannend, weil ich Kunsttherapie studiert hab.

00:35:13: Ich kannte den sehr individuellen Blick für Menschen.

00:35:17: Ich fand es total wichtig,

00:35:19: Menschen in ihren jeweiligen Kontexten zu sehen, zu betrachten

00:35:23: und da die Abhängigkeiten auch mit zu betrachten und mit zu sehen.

00:35:29: Deswegen habe ich eine Weiterbildung zu systemischen Beraterinnen,

00:35:33: zu systemischen Therapeuten gemacht.

00:35:35: Und eigentlich habe ich ja selbst in einer sozialen Arbeit gearbeitet.

00:35:41: Ich habe viel mit Menschen, mit geflüchteten Menschen gearbeitet.

00:35:47: Und dann über diese systemische Weiterbildung habe ich gemerkt,

00:35:52: dass der Bedarf im psychosozialen Bereich,

00:35:57: auch bei den Multiplikatoren, bei Psychologen, bei Sitzella weiter in ist,

00:36:03: dass sie häufig auch vor großen Herausforderungen stehen

00:36:07: mit gewissen Klientel,

00:36:09: da Rassismus- und Diskriminierungssensibel zusammenzukommen.

00:36:14: Deswegen ist der systemische Ansatz ein Antidiskriminierungs,

00:36:19: also ein Mix.

00:36:21: Ich habe selbst eine Theorie zum systemischen intersaktionalen Ansatz geschrieben.

00:36:27: Ich habe da nichts Neues erfunden.

00:36:29: Ich habe den intersaktionalen Ansatz und den systemischen Ansatz

00:36:33: miteinander verbunden und arbeite dazu mit Multiplikatoren.

00:36:39: Ich gebe Workshops, ich bin viel in Teams.

00:36:42: Ich bin viel bei Sozialarbeiter*innen, aber auch Menschen im Kulturbetrieb.

00:36:48: Und wenn Sie sich fortbilden wollen,

00:36:53: dann unterstützt sich Sie diesen Prozess.

00:36:58: Vielen Dank.

00:37:00: Jetzt steht in einer Biografie oder auf deinen Profilen,

00:37:06: das private ist politisch.

00:37:08: Wie passt das dann zusammen zu diesem systemischen Ansatz?

00:37:12: Ich denke dann sofort an Menschen,

00:37:15: die gerne Schnitze bestellen,

00:37:17: dann im Restaurant auf die Mütze kriegt

00:37:19: oder beim Familienfest gendert.

00:37:21: Dann stürzen sich alle auf den.

00:37:23: Was bedeutet das für dich?

00:37:25: Ich glaube, viele dieser Themen sind auch geprägt

00:37:29: von persönlichen Erfahrungen, die ich mache.

00:37:33: Die mache ich von mir, die kenne ich von Menschen in meinem Umfeld.

00:37:39: Die beobachte ich auch als außenstehende Person.

00:37:45: Ich glaube, mir ist es wichtig.

00:37:48: Ich spreche jetzt nicht so viel über eigene Rassismus-Erfahrungen.

00:37:52: Ich glaube, dass es da sehr viele mittlerweile gibt, die das tun.

00:37:57: Das finde ich total wichtig,

00:37:59: dann auch über diese persönlichen Geschichten aufzuzeigen,

00:38:03: wie unsere Gesellschaft,

00:38:05: dass es strukturellen individuellen Rassismus zum Beispiel gibt.

00:38:10: Und ich habe da aber diese Erfahrung,

00:38:14: ich spreche viel über Diskriminierung aus einer Perspektive,

00:38:19: aus einer professionellen Perspektive.

00:38:22: Ich habe dazu gearbeitet.

00:38:23: Ich habe zwar auch die Betroffenheit,

00:38:26: aber ich arbeite zu Rassismus als Expertin,

00:38:30: als jemand, der mit Multibitalkatoren arbeitet.

00:38:33: Ich arbeite mit Menschen, und das schreibe ich auch groß.

00:38:38: Ich arbeite mit Menschen, wo es eine Einsicht darüber gibt,

00:38:43: dass wir in einer diskriminierenden Gesellschaft leben.

00:38:46: Weil ich es total schwierig finde,

00:38:49: Menschen erst davon überzeugen zu müssen.

00:38:52: Es führt auch immer wieder dazu,

00:38:54: dass ich dann in so einer Rechtfertigungsposition komme

00:38:57: und dass wir immer wieder bei Null anfangen,

00:39:00: wenn du Menschen erst davon überzeugen musst.

00:39:03: Und dass es diese Strukturen gibt.

00:39:05: Das heißt, ich spare mir diesen Punkt, in dem ich sage,

00:39:09: ich setze erst da an, wo Menschen sagen,

00:39:11: wir leben in einer diskriminierenden Sprache,

00:39:15: wir lernen eine diskriminierende Sprache.

00:39:18: Unsere Gesellschaft hat diskriminierende Strukturen.

00:39:21: Und ich würde das gerne erkennen.

00:39:23: Ich würde gerne mein eigenes Verhalten.

00:39:26: Und unsere diskriminierenden Strukturen gerne verstehen.

00:39:33: Und lernen, damit umzugehen.

00:39:35: Und lernen, weniger diskriminierend zu sein.

00:39:38: Hm.

00:39:40: Sprache, gewaltvolle Sprache, beleidigende Sprache,

00:39:45: aggressive Sprache, das ist eine gute Überleitung

00:39:48: zu unserem nächsten Spiel.

00:39:50: Genau diese Sprache sollst du jetzt nämlich benutzen.

00:39:53: Also nicht die rassistisch diskriminieren,

00:39:55: aber zumindest sollst du dir Luft verschaffen.

00:39:58: Du sollst ein Meckern, du sollst auch ...

00:40:02: gerne wütend werden.

00:40:03: Wir werden alle Dinge, die wir unseren auch junge Zuhörerinnen

00:40:07: und Zuhörern nicht zumuten können,

00:40:09: die werden wir dann wegbieten.

00:40:11: Wie in den US-amerikanischen Shows oder irgendwie bei Instagram.

00:40:14: Du bekommst also jetzt 60 Sekunden Zeit.

00:40:18: Oder ...

00:40:19: je nachdem, wenn ich dich nicht aufhalten kann, gerne auch mehr.

00:40:23: Und du darfst dich über eine Sache aufregen, so richtig aufregen.

00:40:26: Völlig vom Leder ziehen.

00:40:28: Und das ist nämlich unser Spiel, die tabulose Meckerecke.

00:40:34: Ganz schön.

00:40:38: Also ganz aktuell reg ich mich extrem darüber auf.

00:40:49: Ich hab ein kleines Kind und ich wirklich,

00:40:52: seit sie in der Kita ist, fast jede Woche, ist ein Streik.

00:40:56: Die Erzieherinnen müssen immer wieder ins Streik gehen.

00:41:01: Müssen wirklich die Eltern und wir, wie sind jedes Mal,

00:41:04: vor allem weil es jetzt jedes Mal so kurzfristig war,

00:41:08: stehen wir vor großen Schwierigkeiten,

00:41:11: dann so kurzfristig Betreuung für unser Kind zu finden.

00:41:14: Weil die Kita schon wieder streikt.

00:41:16: Und mich nervt es natürlich extrem, wenn ich andere Eltern

00:41:19: über die Kita Meckern höre.

00:41:21: Weil ich ja sehe, dass nicht die Kita ein Problem hat,

00:41:25: sondern dass sie einfach zu wenig Gehalt bekommen.

00:41:28: Und fairerweise müssten sie jetzt wertschätzend und gerecht bezahlt werden,

00:41:35: damit sie ihre Arbeit vernünftig machen können.

00:41:38: Stattdessen müssen sie streiken.

00:41:39: Für sie ist das auch total schwierig.

00:41:41: Ich sehe, dass die Erzieherinnen sich kaum trauen zu sagen,

00:41:45: dass sie schon wieder streiken.

00:41:47: Ich sehe, dass denen das auch total unangenehm ist.

00:41:49: Dass sie auch wissen, dass die Eltern das auch nicht immer gut aufnehmen.

00:41:53: Gleichzeitig nervt es mich total, weil ich mir denke,

00:41:56: sowieso, wir wissen doch einfach,

00:41:58: ich habe so viel anstrengende Arbeit gemacht

00:42:02: und Kinder erziehung, Kinderbetreuung den ganzen Tag.

00:42:05: Das ist, glaube ich, in meiner Vorstellung

00:42:07: eines der schwierigsten Dinge, die Menschen machen können.

00:42:11: Das ist so herausfordernd, den ganzen Tag Kinder zu betreuen

00:42:15: und zu bespassen.

00:42:17: Ich habe so viel Respekt davor.

00:42:19: Und ich würde mir total wünschen, dass sie endlich

00:42:22: jetzt berechtigt bezahlt werden,

00:42:26: sodass wir unsere Kinder in die Kita bringen können

00:42:30: und wissen, dass die Erzieherinnen gut bezahlt sind.

00:42:32: Und sie zufrieden sind.

00:42:34: Und unsere Kinder sind zufrieden. Und wir sind zufrieden.

00:42:37: Ich habe das tatsächlich 2 Sekunden zu früh auf den Knopf gedrückt.

00:42:41: Ich wollte nicht, wie bei den Ausgassen,

00:42:43: wenn die Dankesreden zu lang werden, dann irgendwie abverkürzen.

00:42:46: Genau.

00:42:47: Das ist tatsächlich das eines der Spiele,

00:42:49: die nicht so wahnsinnig gut bei uns funktionieren,

00:42:52: die sollten nicht so viel fluchen.

00:42:53: Die sind allesamt zu höflich.

00:42:55: Und wir müssen quasi nie irgendwas rausbieten.

00:42:58: Aber es ist schon mal sehr gut,

00:43:00: dass du auf einen Missstand hindeutest,

00:43:04: dass du darauf aufmerksam machst

00:43:06: und dich darüber ärgerst, auch persönlich ärgerst.

00:43:08: Und auch das ist eine hervorragende Überleitung.

00:43:13: Hoffentlich werde ich eines Tages

00:43:14: für diese tolle Überleitung ausgezeichnet.

00:43:16: Ich hoffe, ich war selbst zu loben.

00:43:19: Wir haben über deine Biografie gesprochen,

00:43:22: über deinen Einsatz für die afghanische Community,

00:43:24: über deinen Einsatz in Afghanistan und bei den Evakuierungsmissionen.

00:43:28: Du hast einen persönlichen Zugang zu all diesen Themen,

00:43:33: auch zum Rassismus zu der Art und Weise,

00:43:35: wie wir als Gesellschaft und als soziale Wesen miteinander umgehen.

00:43:40: Und jetzt hast du auch noch genau das Thema

00:43:42: "Soziale Gerechtigkeit" angesprochen.

00:43:44: Und du bist ja nicht dabei stehen geblieben zu sagen,

00:43:47: ich engagiere mich irgendwo ehrenamtlich

00:43:49: und ich gehe dann, weiß ich nicht,

00:43:51: tagsüber bei der Kapitänversicherung Akten ein sortieren,

00:43:56: sondern du hast dich entschieden, reell und richtig

00:44:01: mit vollem Einsatz in die Politik zu gehen.

00:44:04: Und es war erfolgreich.

00:44:06: Du wurdest in den ...

00:44:08: Wie heißt das? Ist das ein Senat oder ist das die Bürgerschaft?

00:44:12: Das ist die Bürgerschaft.

00:44:14: Was ist der Senat?

00:44:16: Also die Bürgerschaft ist das Parlament in Hamburg.

00:44:21: Der Senat ist die Hamburger Regierung.

00:44:24: Ah.

00:44:25: Guck, hier bei uns in Nordrhein-Westfalen ist das ganz langweilig.

00:44:29: Das ist einfach ein Landtag und die Landesregierung.

00:44:31: Also du wurdest in die Hamburger Bürgerschaft gewählt

00:44:35: mit deiner Partei die Linke.

00:44:37: Und Schwupp die Wupp verändert sich dann,

00:44:40: leben jetzt ein zweites, drittes Mal.

00:44:42: Du bist nicht immer einfach irgendwer.

00:44:45: Also du warst irgendwie afghanisches Kind.

00:44:48: Dann warst du Geflüchtete, dann bist du hier angekommen.

00:44:51: Dann warst du erst afghanisch und bist dann Deutsch geworden.

00:44:55: Und jetzt bist du nicht nur Deutsch,

00:44:57: sondern du bist auch noch Parlamentarierin

00:44:59: und Repräsentantin der Bevölkerung in Hamburg.

00:45:02: Oder das Hamburger Wahlbezirks in der Hamburger Bürgerschaft.

00:45:06: Gibt es irgendwie so einen Punkt, wo du irgendwann sagst,

00:45:09: langsam reicht es mal mit den Veränderungen?

00:45:12: Oder ist es mal einfach so zehn Jahre am Stück,

00:45:15: wo nicht irgendwie eine total krasse,

00:45:17: lebensverändernde Situation eintritt?

00:45:19: Ja, also wenn ich dich jetzt so das erzählen höre,

00:45:26: dann gab es das, glaube ich, noch nie im Arm leben.

00:45:30: Also ich glaube, das kann ich mir nicht vorstellen,

00:45:34: weil ich noch nie so zehn Jahre keine Veränderung am Stück hatte.

00:45:38: Es ist sehr viel passiert.

00:45:40: Und ich glaube, dass es auch gut ist.

00:45:45: Ich bin es gewohnt, aber ich mag Veränderungen.

00:45:50: Ich bin offen für Veränderungen.

00:45:52: Ich glaube, ich kann mich auf Veränderungen einlassen.

00:45:56: Wenn es Veränderungen sind, dann...

00:45:58: Ich freue mich, ich freue mich, wenn ich nicht an einem Punkt stehen bleibe

00:46:02: und alle paar Jahre neue Dinge passieren.

00:46:05: Ich fühle mich nicht gestresst,

00:46:07: ich fühle mich nicht gedrängt.

00:46:12: Also ich habe das Gefühl,

00:46:14: das eine ist so eine logische Konsequenz aus dem anderen.

00:46:17: Das ist eher wie so eine Entwicklung.

00:46:19: Und ich glaube, damit bin ich total fein.

00:46:22: Wie kommt man auf die Idee, in eine Partei einzutreten,

00:46:28: für eine Partei Wahlkampf zu machen und dann zu kandidieren

00:46:31: für ein Landes- oder Bundesparlament?

00:46:33: Also an welchem Punkt hast du gesagt, jo, das mache ich jetzt?

00:46:36: Was hat dich dazu bewegt?

00:46:38: Ich muss dazu sagen, dass es kein langjähriger Plan war.

00:46:42: Es ist wie häufig bei mir eher spontan passiert.

00:46:47: Ich habe zuvor bei der Partei, bei einem Abgeordneten gearbeitet.

00:46:55: Und während meiner Elternzeit war ich so ein bisschen raus.

00:46:59: Politisch, das stimmt gar nicht.

00:47:01: Ich habe während meiner Elternzeit noch Europawahlkampf gemacht

00:47:06: und habe Insta-Accounts von Abgeordneten weitergeführt,

00:47:10: weil ich das von zu Hause aus machen konnte.

00:47:13: Ich glaube, ich kann mich gar nicht so komplett rausziehen

00:47:15: aus dem politischen Geschehen.

00:47:17: Aber der Schritt dahin zu sagen, ich gehe jetzt selbst

00:47:20: so in die erste Reihe, ich kandidiere selbst,

00:47:23: fühlte sich ein bisschen für mich auch an,

00:47:27: als müsste das jetzt so,

00:47:31: es hört sich jetzt voll über Triebmann,

00:47:34: aber ich habe mich nicht repräsentiert gesehen in der Aufstellung.

00:47:38: Und ich habe gedacht, ich glaube, wenn ich das schon nicht habe,

00:47:42: dann werden das ganz viele andere Menschen genauso sehen.

00:47:45: Hamburg hat die älteste und die größte afghanische Community.

00:47:49: Und mir war es total wichtig,

00:47:51: in erster Linie auch eine Repräsentante

00:47:54: in meiner afghanischen Community zu sein.

00:47:58: Aber natürlich nicht nur.

00:48:00: Es gibt auch aus der Perspektive, ich bin ja auch junge Mutter

00:48:04: und ich habe auch gemerkt, dass obwohl wir wissen,

00:48:06: dass Kehrarbeit und Mutterschaft ein sehr großes Thema ist,

00:48:11: hatte ich das Gefühl, dass das Thema politisch aber komplett untergeht.

00:48:15: Und es gab so verschiedene Themen und Anliegen,

00:48:19: die mir total wichtig waren, die ich nicht repräsentiert gesehen habe.

00:48:23: Natürlich hat es einen Anschubster von außen gebraucht.

00:48:26: Ich bin nicht selbst auf die Idee gekommen.

00:48:29: Aber als ich dann gefragt wurde, hey, willst du nicht kandidieren,

00:48:32: ich feuere und flamme dafür und habe gedacht,

00:48:35: doch, ich glaube, ich will das machen.

00:48:37: Ich glaube, es ist wichtig, dass ich das tue.

00:48:39: Du sagst, du hast dich nicht repräsentiert gefühlt.

00:48:43: Du bist Frau mit zur Warnungsgeschichte.

00:48:46: Also wie vielfältig ist denn die Linke?

00:48:48: Jetzt in Hamburg oder?

00:48:53: Also jetzt die Partei, die Linke, ich sage jetzt mal,

00:48:57: im Bund und in Ländern.

00:48:58: Also natürlich sind wir auch ein Abbild der Gesellschaft.

00:49:03: Und ich glaube ...

00:49:05: Jetzt klickst du mit einer Politik.

00:49:07: (Lachen)

00:49:08: Wir sind bemüht, okay?

00:49:11: Also wenn ich mich umschaule,

00:49:13: dann fehlen mir ganz viele Perspektiven.

00:49:15: So, das ist kein Geheimnis.

00:49:17: Und ich weiß natürlich auch, mit dem Fachwissen, was ich habe,

00:49:23: es ist kein Zufall, dass all diese Perspektiven es nicht gibt in der Partei.

00:49:28: Und ich glaube, dass ich mir nicht nur Ziele gesetzt habe

00:49:32: für was will ich in der Gesellschaft oder übertrieben gesagt,

00:49:36: aber was will ich für die Stadt Hamburg verändern,

00:49:38: sondern natürlich habe ich auch Ziele innerhalb meiner Partei,

00:49:42: weil ich auch einen Schwerpunkt mitbringe.

00:49:44: Und einer meiner Schwerpunkte ist ja,

00:49:47: dass ich daran mitwirke, Barrieren abzubauen,

00:49:51: weitere Perspektiven einzubeziehen.

00:49:53: Und ich glaube auch, dass ich dieses Wissen

00:49:56: sehr bewusst auch für unsere eigenen Parteistrukturen einsetzen möchte.

00:49:59: Und wir sind ja im Gespräch über viele Themen.

00:50:02: Und das Thema Migrationsquote ist immer mal wieder ...

00:50:08: ähm, ja, vorhanden oder wie auch immer.

00:50:11: Ich habe selbst dazu keine abgeschlossene Meinung dazu.

00:50:15: Ich finde es aber wichtig, darüber zu sprechen.

00:50:18: Und vielleicht ist das eine Möglichkeit.

00:50:20: Also all das steht jetzt noch an,

00:50:22: um zu gucken, wie wir uns noch als Partei weiter diversifizieren können.

00:50:28: Hm.

00:50:29: Hm ...

00:50:31: Du bist ja an genau der Einschnittstelle auch in der Partei.

00:50:36: Also du hast viel gearbeitet zum Thema Bundeswehr und Bundeswehrabzug

00:50:41: aus Afghanistan.

00:50:43: Ähm, es wäre, glaube ich, besser gewesen,

00:50:46: wenn die westlichen Kräfte in Kabul geblieben wären,

00:50:49: wenn sie die Taliban abgewährt hätten,

00:50:52: um eine wie auch immer geartete Stabilisierung der Gesellschaft

00:50:55: vielleicht voranzutreiben.

00:50:57: Es war ein sehr schwieriger Einsatz.

00:50:59: Wenn es 20 Jahre nicht funktioniert hat, ist die Frage,

00:51:01: ob es dann weitere der fortlaufende Zeit besser geworden wäre.

00:51:05: Aber die Frage, die sich mir stellt, ist, deine Partei, die Liegenke,

00:51:09: hat ja ein sehr differenziertes und distanziertes Verhältnis

00:51:13: zu militär, Bundeswehr, Rüstung und Aufrüstung.

00:51:17: Ähm ...

00:51:21: Bist du da häufig im Konflikt mit der Parteilinie

00:51:24: oder denkst du, das ist schon genau richtig,

00:51:26: wie sich die Partei da politisch aufstellt?

00:51:29: Ich würde sagen, dass wir ständig in Konflikt miteinander zu Themen sind.

00:51:38: Oder was heißt in Konflikt, aber in Diskussion miteinander sind.

00:51:42: Ich merke, dass diese Aushandlungsprozesse nicht beendet sind,

00:51:46: wenn es ein Parteibeschluss dazu gibt,

00:51:50: sondern dass wir immer wieder, zu jedem Zeitpunkt,

00:51:53: immer wieder diese Debatten weiterführen.

00:51:56: Und ...

00:51:57: Und ich würde schon noch sagen, dass wir innerhalb der Partei

00:52:02: sehr unterschiedliche Positionen dazu haben.

00:52:04: Und je nachdem gibt es demokratische Mehrheiten

00:52:09: für die eine oder die andere Position.

00:52:11: Aber ich würde ...

00:52:13: Ja, also, du hörst vielleicht auch schon raus,

00:52:17: dass ich da als Betroffene, als Afghanin,

00:52:20: als jemand, die auch sehr nah an dem Einsatz gearbeitet hab,

00:52:26: dazu vielleicht noch eine andere Position hab.

00:52:28: Aber ich finde, die Frage ist nicht immer,

00:52:31: wie der Regierung ja oder nein.

00:52:33: Es gab ja viele Überlegungen auch in Afghanistan.

00:52:37: Nicht mit der Bundeswehr, sondern mit NGOs zu bleiben.

00:52:42: Es gab ja andere Ideen und Möglichkeiten vor Ort zu sein

00:52:46: und zu unterstützen und nicht mit der Bundeswehr dort zu bleiben.

00:52:51: Also, das finde ich irgendwie wichtig,

00:52:53: zu überlegen, welche anderen Optionen,

00:52:56: welche anderen Möglichkeiten haben wir,

00:52:58: um zu unterstützen, um in ...

00:53:00: Ja, wichtige Arbeit zu leisten, medizinische Arbeit vorzuleisten,

00:53:06: ohne dass die Bundeswehr immer mit da sein muss.

00:53:11: Wobei, also, die Nachfrage, die stelle ich mir jetzt ...

00:53:16: Also, in der Ukraine kommt man jetzt mit dem THW,

00:53:18: glaube ich, nicht so weit wie jetzt mit ...

00:53:20: Ja. - ... einem militärischen Abwehrkampf.

00:53:23: (Sie stöhnt.)

00:53:24: Genau, in Afghanistan war das zu einem anderen Zeitpunkt,

00:53:28: wo das debattiert wurde.

00:53:30: Genau, das will ich nicht vergleichen mit der Ukraine.

00:53:33: Was werden denn ... Du bist jetzt Landesabgeordnete.

00:53:38: Was werden denn deine Schwerpunkte sein?

00:53:41: Was sind die politischen Dinge, für die du dich jetzt einsetzen würdest?

00:53:45: Sie haben nicht mehr so wahnsinnig viel Zeit.

00:53:47: Mach mal so drei kurze Beispiele.

00:53:49: Das ist jetzt bisschen schwierig,

00:53:51: weil wir sind eine kleine Fraktion,

00:53:53: auch wenn wir 15 Abgeordnete sind.

00:53:55: Und es gibt viele Themen, es gibt viele Ausschüsse.

00:53:58: Und wir müssen das erst mal intern klären.

00:54:02: Wir werden uns die Themen gut aufteilen.

00:54:04: Und wir werden gucken, wer welche Schwerpunkte hat.

00:54:06: Ich kann ja leider noch kein Thema sagen.

00:54:09: Na gut, das nehm ich gerne mal so hin.

00:54:11: Ähm ...

00:54:14: Du hast ...

00:54:15: ... ein Großteil deines Wahlkampfes ...

00:54:20: ... auf Deutsch und auf Darige halten.

00:54:23: Aber vor allen Dingen eben mit Zusprache ...

00:54:26: ... der afghanischen Community.

00:54:28: Das war dann irgendwie doch auch klar,

00:54:29: hier spricht eine Deutsch-Afghanin.

00:54:31: Also das gibt's ja auch manchmal diesen Effekt,

00:54:34: dass Leute dann überhaupt gar nichts mehr mit ihren Wurzeln

00:54:37: oder ihre ursprünglichen Heimat zu tun haben wollen.

00:54:40: Bei dir ist es ganz anders.

00:54:42: Wie ...

00:54:45: ... schwierig hat sich das gestaltet.

00:54:47: Wir haben ja gerade schon darüber gesprochen,

00:54:49: dass sich das Klima insbesondere gegenüber Afganinnen und Afghanen

00:54:53: sehr verschärft hat.

00:54:54: Und wenn du jetzt ein Großteil deines Wahlkampfes in Darri

00:54:57: mit Ansprache der afghanischen Community hälst,

00:55:00: wie viel schwerer hat man's da als der typische normale ...

00:55:04: ... Uwe aus der Linkspartei, der irgendwie ...

00:55:08: ... ohnehin das auch nicht immer einfach hat?

00:55:11: Also hast du da das Gefühl gehabt, dass du noch mal ...

00:55:14: ... Next Level Bundes-Tagswahl, pardon, Landtagswahlkraft machen musst?

00:55:17: Oder hattest du das Gefühl, es ist eher anders,

00:55:20: hat dich noch mal wie so eine Wurge ins Parlament getragen?

00:55:23: Also ich bin, glaube ich, sehr transparent damit gewesen,

00:55:27: wofür ich antrete und dass ich die afghanische Community ansprechen

00:55:32: und mobilisieren möchte, war ein ganz klar formuliertes Ziel von mir.

00:55:37: Deswegen kann ich mir nicht vorstellen,

00:55:39: dass Menschen da besonders überrascht darüber waren.

00:55:42: Was aber besonders war, ist, dass bei diesen Wahlen

00:55:47: neun afghanische Menschen angetreten sind.

00:55:50: Das ist so verrückt, wo kommen die alle her, denken sich manche.

00:55:54: Aber Hamburg hat einfach eine sehr große afghanische Community.

00:55:59: Und ja, spannenderweise gab es in verschiedenen Parteien

00:56:03: Menschen mit afghanischen Wurzeln,

00:56:06: weswegen das innerhalb unserer eigenen Community

00:56:09: zu so einer richtigen Bewegung wurde.

00:56:11: Das heißt, Medien, Journalist*innen, die NGOs,

00:56:17: alle waren so sehr involviert in diesem Wahlkampf,

00:56:20: weil es natürlich über diese vielen Menschen auch ganz anders

00:56:24: als die Community hineingetragen wurde.

00:56:26: Und gleichzeitig hat das meine Community, also sage ich jetzt allgemein,

00:56:32: auch sehr stark polizisiert zu sehen,

00:56:35: dass Menschen aus Afghanistan gerade stark kriminalisiert werden,

00:56:39: dass Abschiebung gerade wieder Thema ist,

00:56:42: dass Menschen aus Afghanistan Geflüchtete

00:56:46: wieder besonders instrumentalisiert werden.

00:56:50: Und ich glaube, die Motivation afghanischer Repräsentanten dazu haben

00:56:55: war auch besonders hoch und da war es total gut.

00:56:59: Auch ich war bei verschiedenen Sendungen,

00:57:01: ich war bei verschiedenen Formaten,

00:57:03: die ausschließlich auf Dali geführt wurden.

00:57:06: Und es war total gut und wichtig,

00:57:08: auch für die Linke eine linke Person in dieser Reihe zu haben.

00:57:15: Und ich glaube, es hat ja gut funktioniert,

00:57:20: der Erfolg spricht für sich.

00:57:21: Also, würde ich sagen, kann sich niemand darüber beschweren.

00:57:25: Das heißt, wenn Christian Linden oder Christian Dürr

00:57:28: jetzt mit der FDP in den nächsten Wahlkampf gehen,

00:57:31: sollten sie sich vielleicht überlegen,

00:57:33: ihren Wahlkampf zum Teil auch auf Dali zu führen.

00:57:36: Ich weiß nicht, ob es für die Position eine Mehrheit

00:57:41: in meiner Community gibt, aber versuchen können dies.

00:57:45: Vielen Dank, dass du da warst.

00:57:48: Wir kommen jetzt so langsam zum Schluss.

00:57:50: Wir haben noch ein letztes Rubrik, die heißt "Ganz schön wichtig".

00:57:56: Und das ist ein Platz für deine Werbeanzeige.

00:57:58: Wenn du ein Buch, eine CD, ein Projekt,

00:58:02: eine Kollegin, ein Kollegen, Menschen hast,

00:58:05: auf den du verweisen möchtest oder wo du Werbung machen möchtest,

00:58:08: dann kannst du das jetzt tun.

00:58:10: Das sind auch noch mal so 60 Sekunden, 90 Sekunden,

00:58:13: die nur dir gehören, du kannst damit machen, was du willst.

00:58:16: Du kannst eine Wohnungsgesuche aufgeben oder "I don't know".

00:58:20: Oder dich bei den Kindergärten bedanken

00:58:23: oder bei den Erzieherinnen und Erziehern in der Kita "I don't know".

00:58:26: Du hast Platz, du kannst damit machen, was du willst.

00:58:29: Diese Zeit gehört ganz dir.

00:58:32: (Dynamische Musik)

00:58:33: Oh, ganz schön wichtig.

00:58:38: Platz für deine Werbeanzeige.

00:58:40: (Dynamische Musik)

00:58:43: Einige werden wahrscheinlich die rassistische Bezahlkarte kennen.

00:58:52: Es gibt einige Bundesländer,

00:58:54: die diese Bezahlkarte für Geflüchtete eingeführt haben.

00:58:57: Unter anderem auch Hamburg.

00:58:58: Es gibt in Hamburg eine Initiative,

00:59:00: nein, zu Bezahlkarte, die sich dafür einsetzen,

00:59:04: diese Bezahlkarten gegen Gutscheine einzutauschen.

00:59:08: Und ich merke an der Reaktion der AfD hier in Hamburg,

00:59:12: wie doll diese Aktion, ihre rassistische Idee von dieser Bezahlkarte,

00:59:18: die von dem Hamburger Senat umgesetzt wurde,

00:59:21: wie sehr sie sich angegriffen fühlen durch diese Aktion.

00:59:25: Deswegen wäre es mir total wichtig,

00:59:27: sich mit dieser Aktion zu solidarisieren,

00:59:29: zu den jeweiligen Ständen zu gehen.

00:59:32: Und Bargeld mitzubringen.

00:59:34: Und Bargeld gegen diese Bezahlkarten einzutauschen,

00:59:37: die dann an die geflüchteten Menschen hier in Hamburg gehen.

00:59:41: (Dynamische Musik)

00:59:43: Vielen Dank. Ich mach hier immer so ganz witzige ...

00:59:49: Ich hör das schon. - Soundteile.

00:59:52: Die, glaub ich, später immer noch mal rausgenommen

00:59:56: und neu eingespielt werden.

00:59:58: Hila, vielen Dank, dass du da warst,

01:00:00: vielen Dank, dass du davon erzählt hast, was du so machst,

01:00:04: mit wem du es machst und was zwischen Deutschland und Afghanistan,

01:00:09: zwischen Berlin und Kabul so alles passiert, wie du dich einsetzt.

01:00:12: Und noch mal herzlichen Glückwunsch für deine Wahl

01:00:15: in die Hamburger Bürgerschaft.

01:00:17: Vielleicht kommt das ja bei demnächst noch.

01:00:20: Und an die Zuhörerinnen und Zuhörer hier,

01:00:23: vielen Dank, dass ihr dabei wart. Empfehlt uns weiter.

01:00:26: Bleibt dran, es kommt bestimmt auch wieder in die nächste Folge.

01:00:29: Ich weiß noch nicht genau, wann und wo.

01:00:32: Aber ihr könnt alle Beiträge auf

01:00:34: www.veto-mag.de auf Instagram

01:00:38: bei allen Podcast-Abspielgeräten euch anhören.

01:00:43: Und ich wünsche euch was Gutes, bleibt gesund, bis zum nächsten Mal.

01:00:48: (Dynamische Musik)

01:00:50: Hey, bist du noch da?

01:01:04: Dann bis bald.

01:01:06: Du hörst ganz schön laut.

01:01:08: Den Veto-Podcast. Alle zwei Wochen.

01:01:11: Überall, wo es Podcast gibt.

01:01:15: Und bis dahin folgt uns auf Instagram und TikTok.

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