Dominik Bloh und das Leben auf der Straße

Shownotes

Es gab eine Zeit, da habe er sich gefühlt wie Dreck. Weil er für andere unsichtbar war. „Und plötzlich hören mir Menschen zu. Ich darf eine Stimme sein. Das ist unglaublich zu sehen.“ Mit diesen Worten startet Dominik Bloh in die neue Folge von GANZSCHÖNLAUT. Denn immer, wenn er auf Lesereisen seine Vergangenheit mit einem Publikum teilt, werde ihm diese Sprechfähigkeit, diese Sichtbarkeit aufs Neue bewusst.

In seinem Buch „Unter Palmen aus Stahl“ erzählt Dominik Bloh von seiner Zeit als Teenager auf den Straßen Hamburgs. Über den Umgang mit wohnungslosen Menschen. Elf Jahre lang versuchte er in dieser Situation, tagtäglich ein bisschen Normalität aufrechtzuerhalten. Heute ist er Autor, Gründer und Botschafter von GoBanyo: „der Duschbus für Menschen, die auf der Straße überleben müssen.“

Dominik Bloh hat überlebt. Mit GoBanyo will er etwas zurückgeben und etwas am System ändern. Denn: Obwohl im Koalitionsvertrag von SPD, Grünen und FDP erklärt wird, Obdach- und Wohnungslosigkeit bis 2030 überwinden zu wollen, habe sich bislang an der Situation nichts geändert: „Wir gehen nach wie vor nicht an die Ursachen. Wir verwalten Armut, wir verwalten Menschen ohne Obdach.“ Und parallel zu dieser Bestandsaufnahme steigt die Zahl betroffener Menschen weiter an.

Der Nationale Aktionsplan Wohnungslosigkeit und Wohnungslosenberichterstattung entwickelt deshalb eine Strategie, Wohnungslosigkeit zu beenden. Seit 2023 berät Dominik Bloh die Bundesregierung dabei. Und er benennt die entscheidende Lösung klar: „Im Endeffekt gibt es nur eine Antwort, und die heißt Housing First.“

Über das Konzept Housing First und empirische Erkenntnisse dieses Ansatzes geht es im Gespräch mit Host Stephan Anpalagan. Außerdem verrät Dominik Bloh, warum er nicht an Utopien glaubt, aber trotzdem ein grundoptimistischer Mensch ist. Was ihm Hoffnung für die Zukunft gibt: Dass zunehmend andere Geschichten erzählt werden, „die ganz einfach nur sagen: Ein Mensch braucht andere Menschen.“

TRANSPARENZ

Dominik Bloh und die Initiative GoBanyo haben wir bereits im Veto Magazin porträtiert. Im Gespräch verweist Dominik Bloh auf einen Festakt, bei dem ihm das Bundesverdienstkreuz verliehen wurde. Außerdem geht es um den ehemaligen Fußball-Profi Bobby Dekeyser und dessen Stiftung sowie das Sonnenschein Café in Hamburg, das für ihn ein Vorbild-Projekt in Sachen neue Narrative, neues Zusammenleben ist.

Die Folge mit Dominik Bloh wurde am 6. Februar 2024 aufgezeichnet.

URHEBERRECHT

Im Intro des Podcasts zitieren wir:

Enissa Amani, aus: „Rebels. Ich rebelliere also bin ich“; Folge 2: „Die Macht der Comedy“ vom 13. Dezember 2022, ARD Kultur, Timecode: 00:11:26

Anja Reschke, aus: „Panorama“, Beitrag „Mein Nachbar ist Nazi“ vom 1. Juli 2022, NDR, Timecode: 00:00:05

Disarstar, aus: „Rebels. Ich rebelliere also bin ich“; Folge 1: „Die Macht der Musik“ vom 13. Dezember 2022, ARD Kultur, Timecode: 00:01:45

DANKSAGUNG

Redaktion: Melanie Skurt, Philine Schlick; Hosts: Ninia La Grande, Stephan Anpalagan; Produktion: Arian Dominiak; Artwork: Karla Schröder; Sprecherin: Leni Leßmann

FINANZIERUNG

Veto wird anteilig gefördert von der Schöpflin Stiftung und der GLS Treuhand.

Transkript anzeigen

00:00:00: Es hätte keine Veränderungen dieser Welt gegeben,

00:00:03: wenn nicht irgendjemand gesagt hätte, ach, das müssen wir ändern.

00:00:06: Manchmal muss man klare Kante zeigen.

00:00:08: Das fordert die Gesellschaft ja auch.

00:00:10: Klare Kante gegen rechts heißt es doch zum Beispiel immer.

00:00:13: Die Welt brennt an allen Ecken und Enden.

00:00:16: Haben wir extreme, massive Probleme, vor denen sich keiner verschließen kann.

00:00:20: Die Welt ist in Aufruhr.

00:00:21: Doch Aktivistinnen geben Hoffnung.

00:00:24: Du hörst ganz schön laut.

00:00:25: Den Veto-Podcast mit Ninia Lagrande und Steven Anpalaghan.

00:00:29: Wir stellen Menschen vor, die für Veränderung etwas riskieren.

00:00:33: (Dynamische Musik)

00:00:34: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von "Ganz schön laut".

00:00:41: Auch in diesem Jahr wollen wir Menschen vorstellen,

00:00:44: die für Veränderungen etwas riskieren,

00:00:46: die ihre Stimme erheben und Dinge in dieser Gesellschaft

00:00:49: besser machen wollen.

00:00:50: Dominic Bloh ist einer von ihnen.

00:00:53: Er ist Schriftsteller, Aktivist und Gründer und Botschafter von GoBudnyo.

00:00:57: Eine Initiative aus Hamburg.

00:00:59: GoBudnyo ist ein Duschbus für Menschen,

00:01:01: die auf der Straße überleben müssen.

00:01:03: Der Bus macht Station an verschiedenen Orten der Stadt.

00:01:06: Die Nutzung ist kostenlos.

00:01:07: Menschen, die auf der Straße leben,

00:01:10: bekommen nicht nur einen Zugang zu sanitären Einrichtungen,

00:01:13: zu sauberer Unterwäsche, Kleidung, Hygienartikeln.

00:01:16: Sie finden auch zumindest für einen Moment ein bisschen Privatsphäre.

00:01:19: Wie wichtig das ist, weiß Gründer Dominic Bloh seine Erfahrung.

00:01:23: Dominic war selbst ein Teenager,

00:01:25: als seine Geschichte auf den Hamburger Straßen begann.

00:01:28: Er hat Filmen aus Stahl 2018 veröffentlicht.

00:01:31: Trotz Hunger, Kält und Einsamkeit

00:01:33: versuchte er jeden Tag ein Stück Normalität aufrecht zu erhalten.

00:01:37: Mit dem Projekt GoBudnyo will er etwas zurückgeben, sagt er selbst.

00:01:40: Unter anderem darüber wollen wir heute mit ihm sprechen.

00:01:43: Dominic, schön, dass du da bist.

00:01:46: Hast du einen guten Jahresstart?

00:01:48: Hi, schön, dass ich da sein darf.

00:01:50: Mein Jahresstart war bisher sehr schön.

00:01:53: Ich durfte jetzt meine erste Lesereise machen.

00:01:57: Das ist natürlich unglaublich zu sehen.

00:02:00: Ich sitze dann im Publikum und sage,

00:02:03: dass ich eine Zeit hatte, wo ich dachte, dass ich unsichtbar war.

00:02:07: Ich habe mich gefühlt wie Dreck und dachte, ich sei nichts.

00:02:10: Plötzlich hören mir Menschen zu.

00:02:13: Ich denke, ich darf Stimme sein und Menschen lesen meine Wörter

00:02:16: und komme quer durchs ganze Land verteilt zu Lesungen.

00:02:21: Das ist für mich besonders, dass ich das nach sieben Jahren

00:02:24: noch machen darf und insofern, ja, ich hatte einen sehr guten Start.

00:02:30: Gibt es irgendwas, was so besonders hängen geblieben ist

00:02:34: bei den Lesungen, eine Reaktion, ein Gefühl,

00:02:36: das für dich überraschend war?

00:02:39: Das ist immer wieder was Besonderes.

00:02:43: Ich finde es schön, dass es wirklich so ein offener Raum ist.

00:02:47: Ich sehe, dass Menschen auch offen bei so Lesungen ...

00:02:51: Ich erzähle auch viel Emotionen zeigen können.

00:02:55: Ich finde es auch schön, wenn ich sehe, dass da Männer dabei sind,

00:02:58: die sich trauen, Tränen, Kullern zu lassen.

00:03:01: Ich finde es schön, im Nachgang zu hören, was das bewirkt hat

00:03:05: und das einfach das Buch oder die Worte zu Denk anstößen.

00:03:10: Und dann auch zu einem Handelnreifen.

00:03:13: Das finde ich immer wieder besonders zu hören.

00:03:15: Denn am Ende ist irgendwie inspirieren für mich der größte Erfolg,

00:03:20: wenn man das auslöst bei anderen Menschen.

00:03:23: Eine Sache, die mir sehr krass hängen geblieben ist,

00:03:26: ist, dass es wie eine alte Dame zu mir kam.

00:03:29: Ich meinte, ich kann das sehr gut verstehen,

00:03:31: mit dem sich waschen wollen und nicht können.

00:03:35: Ich bin damals noch ein Kind gewesen, im Zweiten Weltkrieg.

00:03:38: Wir sind geflohen.

00:03:40: Ich weiß noch, wie wir versucht haben,

00:03:42: wenn der Zug mal irgendwo angehalten ist.

00:03:44: Dann haben wir unsere Not durft

00:03:46: und den Waggons in die Gleise verrichtet.

00:03:52: Sie konnte einfach sehr, sehr viel noch erzählen,

00:03:56: was ihr damals an dem Bedürfnis gefehlt hat.

00:03:59: Und konnten insofern dann auf einmal

00:04:02: auch eine ganz andere Form der Lebensrealität verstehen.

00:04:05: Und das ist ein krasser Augenblick auf jeden Fall,

00:04:08: wo so zwei ganz unterschiedliche Geschichten

00:04:11: denselben Treffer haben.

00:04:13: Und man dann feststellt, ich weiß, wie du dich fühlst.

00:04:16: Hast du so was wie Groll, wenn du auf die Zeit zurückblickst,

00:04:20: dass du sagst, früher wollte dir nicht angucken,

00:04:23: früher war ich unsichtbar.

00:04:25: Und jetzt, wo ich ein gefeierter Buchautor bin,

00:04:28: strömt dir zu mir und wollte hören, was ich sage.

00:04:30: Gibt es da was, wo du zurückbrickst und sagst,

00:04:33: das ist nicht nur gut, dass ich es geschafft habe,

00:04:36: sondern irgendwie bleibt so ein Rest

00:04:38: an einem schlechten Gefühl bei der Erinnerung?

00:04:41: Das tut es nicht.

00:04:42: Ich hatte mein ganzes Leben lang mich sehr ins Negative ziehen lassen.

00:04:46: Wo das hinführt.

00:04:47: Ich habe dann entschieden, positiv zu bleiben.

00:04:50: Ich bin grundoptimistisch und das versuche ich immer zu sein.

00:04:54: Und insofern beschäftige ich mich dann auch nicht intensiv

00:04:57: mit der Vergangenheit, hege da kein Gräu.

00:05:01: Sondern sage am Ende, hat die Straße mich zudem gemacht,

00:05:05: der ich heute bin.

00:05:06: Und wie es jetzt ist, ist es wirklich gut.

00:05:10: Und ich habe noch ein langes Leben vor mir,

00:05:13: in dem ich jetzt alles tun kann, was ich möchte.

00:05:16: Weil ich wirklich auch durch die Straße zu mir selbst gefunden habe.

00:05:19: Und ich glaube, es geht wirklich erst los.

00:05:22: Oder beziehungsweise anders, weil man bei sich selbst ist,

00:05:25: dann läuft es von selbst.

00:05:27: Und jetzt freue ich mich einfach nur auf den Weg und alles, was kommt.

00:05:31: Kurz vor Ende des vergangenen Jahres

00:05:33: haben Neuzahlen der Bundesarbeitsgemeinschaft

00:05:37: wohnungslosen Hilfe für Aufsehen gesorgt.

00:05:40: Daran heißt es, 2022 waren 60 Prozent mehr Menschen

00:05:44: zeitweise ohne Wohnung als im Jahr davor.

00:05:46: Von rund 600.000 Menschen ist die Rede.

00:05:48: Das hat wahrscheinlich auch mit vielen geflüchteten

00:05:52: wohnungslosen Menschen etwas aus der Ukraine zu tun.

00:05:55: Wie ordnest du solche Meldungen ein?

00:05:57: Es scheint ja nicht nur ein Problem zu sein,

00:06:00: dass wir nicht in den Griff bekommen,

00:06:02: dass wir als Gesellschaft nicht eine Lage sind zu lösen.

00:06:04: Sondern es sieht ja so aus,

00:06:06: als ob sich das Problem noch weiter verschärft.

00:06:08: Das ist absolut richtig, das tut es.

00:06:11: Mit Sicherheit ist das ein gesellschaftliches Problem,

00:06:13: aber es ist durchaus ein strukturelles Problem,

00:06:16: was am Ende immer noch da ist,

00:06:19: weil der politische Wille fehlt, das wirklich zu lösen.

00:06:23: Wir gehen nach wie vor nicht an die Ursachen.

00:06:25: Wir verwalten Armut, wir verwalten Menschen ohne Obdach.

00:06:30: Das ist alles irgendwie im Kreislauf,

00:06:33: der auch schon lange da ist und einfach systemerhaltend ist.

00:06:38: Und nicht für Fortschritt steht und nicht für Veränderung

00:06:42: und mit Sicherheit auch nicht die Wohnungskrise lösen wird.

00:06:46: Und insofern als erstes muss jetzt der politische Wille da sein zu sagen,

00:06:51: wir sehen die Wohnungskrise,

00:06:53: wir müssen bezahlbaren Wohnraum für alle schaffen

00:06:56: und wir möchten keine Menschen, die wohnungslos oder obdachlos sind,

00:07:00: in unserem Land und in Europa haben.

00:07:04: Was ja auch gesetztes Ziel der Koalition ist,

00:07:07: Obdachlosigkeit bis 2030 zu überbinden.

00:07:10: Macht sich das auch bei unserem Angebot mit Gurbano bemerkbar,

00:07:14: dass immer mehr Menschen da sind, dass ihr immer mehr Hilfe leisten müsst?

00:07:18: Schon von Anfang an so viele Menschen,

00:07:20: die einfach nur eine Dusche brauchen,

00:07:22: dass wir auch Menschen wegschicken müssen am Ende unseres Betriebstages.

00:07:26: Das war nach der ersten Woche so und das ist bis heute so.

00:07:30: Und auch Gurbano ist, glaube ich, wirklich ein wichtiges Projekt.

00:07:34: Aber es ist auch nur eine Dusche auf den Kalten Asphalt.

00:07:38: Es ist eine Dusche auf den Kalten Steinen, so ein Tropfen.

00:07:41: Und ist im Grunde auch systemerhaltend

00:07:44: und kann nicht eine langfristige Lösung darstellen.

00:07:47: Und Gurbano ist bestimmt nichts, was man groß skalieren sollte

00:07:51: und sagt, damit retten wir jetzt Menschen,

00:07:55: sondern auch das muss in dem Fall akute Nothilfe sein.

00:08:00: Ich glaube, waschen ist ein menschliches Grundbedürfnis

00:08:04: und jeder hat das Recht, sich zu duschen.

00:08:06: Deswegen sind wir da draußen und sanitäre Anlagen bereitzustellen.

00:08:10: Aber im Endeffekt gibt es nur eine Antwort und die heißt "Housing First".

00:08:15: Das ist das Prinzip, wie wir Obdachlosigkeit beenden werden.

00:08:18: Und das gilt es jetzt, in den nächsten Jahren zu verstetigen.

00:08:22: Und das von Bundesebene bis hin auf kommuniale Ebene.

00:08:26: Hinten Systeme halten, sagst du?

00:08:28: Alles ist ein Systeme halten.

00:08:30: Ich meine, guckt immer die ganzen großen Wohlfahrtsverbände an.

00:08:34: Die, ihre verdammten Geschäftsstellen.

00:08:36: Da gehe ich hin und sehe das so neben Rädern rein.

00:08:38: Wie Habag-Leut.

00:08:40: Ich sehe Panorama, Glasfassaden.

00:08:42: Ich denke mir nur, was ist das für eine Miete?

00:08:45: Gucke ich mir Personalkosten an.

00:08:47: Seh, wie Spendengelder in der Verwaltung einfach dahin fließen.

00:08:52: Bei all dem, was wir versuchen zu transformieren und zu verändern,

00:08:56: ist das immer wichtig, dass wir die vermeintlich guten uns hinterfragen.

00:09:00: Und der mag mit einem Auge auch bei uns sein sollten und checken,

00:09:04: wie weit bringen wir hier wirklich was voran?

00:09:06: Oder wie weit eiten wir sogar etwas auf?

00:09:09: Und ist der Weg, den wir mal eingeschlagen haben,

00:09:11: weil wir erst mal was Gutes wollten, überhaupt nachhaltig der Richtige?

00:09:16: Und das sollte auf jeden Fall gerade im sozialen Bereich etwas sein,

00:09:20: wo man immer wieder drüber sprechen sollte.

00:09:22: Das Systeme halten ist ja deshalb auch spannend,

00:09:25: weil Angebote wie Gourbagne oder eben auch die Tafel beispielsweise,

00:09:29: dann von etablierten Politikern, von Regierungen,

00:09:32: von Verantwortungsträgern, an den Nutzen werden, um anzuzeigen,

00:09:35: hey, sieht man her, so schlecht geht es gar nicht.

00:09:38: Die Leute haben ja ein Netz an Maßnahmen oder ein Infrastruktur,

00:09:42: auf die sie zurückgreifen können.

00:09:45: Plötzlich wird eine Tafel dort, kenne ich tatsächlich,

00:09:48: ein Beispiel für politische Verantwortungslosigkeit.

00:09:53: Und für Leute, die sich aus politischer Verantwortung davonstehen,

00:09:57: dass machen müssen, wir es jetzt nicht strukturell verändern.

00:10:00: Hast du Angst, dass Gourbagne das gleiche Schicksal ereilt?

00:10:04: Ich glaube, bei uns wird das nicht passieren,

00:10:07: weil wir ganz klar auch formuliert haben, was unsere Mission ist,

00:10:10: aber auch was unsere Vision ist.

00:10:12: Das wird sich nie irgendwie, das wird nicht verschwimmen.

00:10:16: Dazu haben wir viel zu sehr die Klarheit und wissen, was wir da machen.

00:10:22: Aber im Großen und Ganzen sehe ich das so.

00:10:24: Am Ende des Tages, das, was du sagst, das kenne ich ja Politiker*innen,

00:10:29: denen sich gerne am Wahlkampf vor allem an unserem Bus,

00:10:32: um sich abzulichten und einmal Posting zu machen,

00:10:36: wie toll das ist, dass Menschen sich kümmern.

00:10:39: Oder natürlich noch viel verrückter,

00:10:42: wenn ich einfach in dem fucking Schloss Belvüh stehe,

00:10:45: mit Anzug und unserem Bundespräsidenten die Handschüttel,

00:10:48: wer mir das Bundesverdienstkreuz gibt, und ich mir denke,

00:10:51: ja, es ist nett so, aber am Ende des Tages

00:10:53: ist das eure Scheiße, die ihr verkackt und hier ein paar Menschen auszuzeichnen

00:10:57: und vermeintlich wertzuschätzen,

00:11:00: ist immer noch nicht der Weg, wie wir hier die Probleme wirklich lösen,

00:11:04: sondern das ist ein bisschen Puderzucker

00:11:06: und Anerkennung schenken in der Hoffnung,

00:11:09: dass dadurch weiter das Ehrenamt sich stärkt,

00:11:11: aber sich darauf zu verlassen, das heite ich für den falschen Weg.

00:11:16: Warum regen sich nicht noch mehr Menschen auf?

00:11:19: Also Obdachlosigkeit oder Wohnungslosigkeit

00:11:21: ist ja schon etwas, was sichtbar ist.

00:11:24: Die Armut ...

00:11:25: Ist doch uns allen scheißegal, der gar am Ende des Tages ist das doch ...

00:11:29: Lass uns mal kurz ...

00:11:30: Die Armut in so anderen Fällen ist ja so ...

00:11:33: teilweise siehst du es nicht, aber wenn du in der Stadt bist,

00:11:36: du siehst ja die Menschen, die da offensichtlich keinen Zuhause haben.

00:11:39: Also was ist da los?

00:11:40: Du siehst sie, aber du gibst immer noch einen Fick drauf.

00:11:43: Was ist da los? Natürlich ist das, wie wir geprägt wurden,

00:11:47: da spielen ganz viele Einflüsse eine Rolle,

00:11:51: die dich dazu bringen, dass du ...

00:11:54: dein Mensch sein ja auch verlierst und abstumpst.

00:11:57: Ich versuche immer wieder, auch den Menschen den Mut zu geben,

00:12:00: zu sagen, ich glaub ganz fest daran,

00:12:02: dass wir so einen inneren Kompass haben

00:12:04: und dass es uns eigentlich wirklich berührt,

00:12:06: wenn wir Leid und Not sehen.

00:12:08: Aber in der Leistungsgesellschaft,

00:12:11: in der jeder hier was zu zeigen und zu beweisen hat

00:12:14: und Helmbogen ausgefahren werden

00:12:16: und man im besten Fall auf sich achtgibt,

00:12:18: weil einfach hier alles auf das Egoismus

00:12:22: oder den Ego-Mahnen runtergebrochen wird,

00:12:25: dann verhindert das natürlich,

00:12:27: dass dieses Innere sich dann nach außen tragen lässt.

00:12:30: Und das bedeutet, dass vermehrt oder mehrheitlich Menschen,

00:12:35: zwar das Sehen, aber das dann auch sehr schnell

00:12:37: im nächsten Moment wieder ausblenden können,

00:12:39: weil das betrifft mich nicht.

00:12:41: Und das ist ja in einem Lebenslagen so,

00:12:44: man checkt die Sachen erst, man kann erst verstehen,

00:12:46: wenn man es erfährt.

00:12:48: Auch nach unten will man nicht gerne gucken,

00:12:50: insofern das ist kein Vergleich, den man machen möchte.

00:12:53: Da spielen dann noch Hemmnisse und ängste eine Rolle,

00:12:56: die sich da noch mit einmischen.

00:12:58: Und schon heißt so so ein Cocktail,

00:13:00: der Menschen wegschauen und vorbeigehen lässt,

00:13:02: statt das, was ich glaube, ganz fest in jedem von uns

00:13:06: eigentlich vorhanden ist, hinzusehen und zu helfen.

00:13:10: Und das ist was, was ich mir wünsche, dass wir da,

00:13:14: und das ist tatsächlich dann wieder ein Gesellschaftsthema,

00:13:17: wieder mehr Mut finden, aufeinander zuzugehen

00:13:20: und miteinander zu reden.

00:13:21: Das gilt nicht nur für unsere Mitmenschen,

00:13:23: ohne Obdachs, sondern im Großen und Ganzen, für alle.

00:13:26: Du hast angefangen zu helfen, du hast etwas begonnen,

00:13:35: und zwar die Initiative, die Ende 2019 gestartet ist.

00:13:38: Gowbanyu als Duschbus an verschiedenen Standorten in Hamburg.

00:13:43: Kannst du für Menschen, die noch nichts von dir

00:13:46: oder deinem Projekt gehört haben, einmal kurz sagen,

00:13:49: was ist das, was dir macht, ganz konkret?

00:13:51: Gowbanyu?

00:13:52: An wen richtet es sich, woher wissen die das euch gibt,

00:13:56: und wie finden die zu euch?

00:13:58: Also ganz kurz Gowbanyu.

00:14:00: Ein Banyu ist schon mal auf mehreren europäischen Sprachen

00:14:03: das Wort für Badezimmer, auch gerade im osteuropäischen Raum.

00:14:06: Gowbanyu, also mobiles Badezimmer.

00:14:08: Wir haben drei voll ausgestattete Badezimmer

00:14:11: und einen Bus eingebaut,

00:14:12: einen Bus, wie man dem aus dem öffentlichen Nahverkehr kennt.

00:14:16: Voll ausgestattet, Dusche, Waschbecken, Toilette, alles,

00:14:19: was es wirklich braucht für einen Badezimmer-Durchgang.

00:14:22: Wir haben im Bus Hygienee-Artikel verstaut,

00:14:25: wir haben frische Parkklamotten,

00:14:27: und wir fahren verschiedene Standorte an seit 2019.

00:14:31: Und Menschen können einfach bei uns tatsächlich duschen,

00:14:35: abschließen, eine halbe Stunde wirklich,

00:14:38: ein bisschen sich frisch machen,

00:14:40: weil ich glaube, jeder kann es gut verstehen.

00:14:43: Es geht einem besser, wenn man sich wohl in seine Haut fühlt.

00:14:47: Und ich sehe Menschen da geknickt reinkommen,

00:14:49: und dann aber doch mit mehr Selbstbewusstsein wieder aus dem Bus steigen,

00:14:54: einfach weil der Moment da ist, an dem man sagt,

00:14:57: jetzt traue ich mir was zu,

00:15:00: jetzt habe ich auch den Mut und gehe die nächsten Schritte.

00:15:03: Sei es zu einer Wohnungsbesichtigung, sei es zu einem Bewerbungsgespräch,

00:15:06: sei es auch nur zum Jobcenter,

00:15:08: weil man es heute mal zum Sachbearbeiter oder der Sachbearbeiterin schafft.

00:15:12: Insofern, da glaube ich wirklich ist das Hilfe zur Selbsthilfe.

00:15:15: 40.000 Duschen sind angegangen seit dem Dezember 2019.

00:15:21: Und weil wir ein Angebot sind mit Herz und Professionalität,

00:15:24: ist natürlich das Erste, dass sich das auch der Straße rumsprügt.

00:15:27: Dass das ein würdevoller Ort ist, an dem Menschen herzlich sind,

00:15:31: an dem man auf Augenhöhe begegnet wird,

00:15:35: an dem auch Leute nicht nur eine Dienstleistung bereitstellen,

00:15:39: mit sanitären Anlagen, sondern sich Zeit nehmen für Gespräche,

00:15:42: für einen Schnack mit einem Kaffee und einfach noch nebenbei.

00:15:46: Und dann finde ich es natürlich immer wieder krass.

00:15:49: So, ich komme von der Straße, ich trage heute super viel über Lebensschuld mit mir rum,

00:15:53: wenn ich mal, wenn ich eine Stunde irgendwo sitze, 2000 Euro als Rechnungsstelle

00:15:58: und dann an den Duschbus gehen und mal Hallo zu sagen,

00:16:00: und dann kommt mir jemand entgegen und bedankt sich für die Dusche.

00:16:04: Dann denkt mir so, fuck, fuck, Mann.

00:16:07: Ich profitiere natürlich am meisten, dann macht das einen kurzen, krassen Moment mit mir.

00:16:13: Und dann denke ich aber immer wieder schön, weil die Leute kommen und sagen,

00:16:17: das hat mir so viel gegeben, das hat mir geholfen,

00:16:20: ich habe jetzt wieder einen Job, ich habe wieder eine Wohnung,

00:16:23: ich habe jetzt eine Chance und ich kann jetzt wieder das Schaffen

00:16:27: in ein geregeltes Leben zu finden.

00:16:28: Und am Ende, wenn man dann das hört, dann weiß man,

00:16:32: warum der Duschbus immer noch auf den Straßen ist.

00:16:36: Was würdest du sagen,

00:16:38: habt ihr in den letzten Jahren erreicht, wo steht ihr?

00:16:41: Du hast gesagt, genau das ist ja das Problem,

00:16:44: man will es ja nicht skalieren, es ist deutschlandweit,

00:16:46: irgendwie das Duschbus gibt, nach eurem System,

00:16:49: weil das nur wieder irgendwie im Flock einschlägt und das System erhält.

00:16:53: Also was sind so die Pläne für den nächsten Jahr?

00:16:57: Es gibt noch einen Plan, tatsächlich einen weiteren Bus.

00:17:01: Können wir uns vorstellen, in Berlin zu betreiben,

00:17:04: einfach aus dem Grund, dass der Bedarf da wirklich so enorm hoch ist.

00:17:08: Das hören wir immer wieder in Berlin, gibt es einen Duschmobil zumindest,

00:17:13: aber tatsächlich in dem Fall nur für Frauen.

00:17:17: Insofern wären wir eine sinnvolle Ergänzung

00:17:19: und hätten da auch schon gute Kooperationen in der Stadt,

00:17:22: aber auch das andere und das versuchen wir immer nebenbei zu fahren.

00:17:26: Unsere Aufgabe ist auch Aufmerksamkeit schaffen.

00:17:29: Er hat bewusst sein, in die Gesellschaft zu tragen

00:17:32: und auch bildlich und ja wirklich real sichtbar zu sein.

00:17:38: Und mit einem Duschbus in Berlin könnte man natürlich alle vier Wochen

00:17:41: vorst Bundeskanzler empfahren und sagen,

00:17:43: hey, wie lange sollen wir das denn eigentlich noch machen?

00:17:46: Eure Regierung hat sich vorgenommen,

00:17:49: sechs Jahre in Obdachlosigkeit zu überwinden, wie sieht's aus?

00:17:52: Wir kommen nächsten Monat wieder, wenn es nichts Neues gibt.

00:17:56: Insofern als Druckmittel, das tatsächlich auch noch einzusetzen,

00:18:00: ist ein kleiner Nebengedanke.

00:18:02: Und ich finde das, was der Duschbus tut,

00:18:05: das tut er in vollem Umfang und ganzheitlich

00:18:09: und der ist nicht der Weg, darüber hinaus die Lösung zu fänden.

00:18:14: Gänst du unseren Podcast?

00:18:16: Ich kenn euerm Podcast, weil natürlich meine ganzen Homies

00:18:20: und Freundenin bei euch zu Gast sind.

00:18:23: Also, shoutouts an Michael und Geri Hammer.

00:18:27: Und wir hatten, glaube ich, auch schon mal ein Gespräch miteinander davor.

00:18:32: Beim Veto nicht im Podcast, aber in anderen Formen.

00:18:35: Klar, habe ich alles auf dem Schirm.

00:18:38: Ich frag das nun deshalb, weil wir sprechen ja nicht nur über

00:18:43: tiefgreifende und tiefgründige Dinge, sondern wir müssen auch spielen.

00:18:48: Es gibt mindestens zwei Spiele in jeder Folge.

00:18:51: Und ein Spiel lautet "Alles auf Zeit".

00:18:54: Wir haben 60 Sekunden.

00:18:56: Ich stelle dir Fragen und Nose so schnell wie möglich beantworten.

00:19:00: Das ist nicht mein Stirk.

00:19:02: Ich bin gespannt, wie wir das beide hinbekommen.

00:19:08: Also, Veto, ganz schön knapp, "Alles auf Zeit".

00:19:13: (Dynamische Musik)

00:19:15: Ganz schön, knapp, "Alles auf Zeit".

00:19:21: Aber wann kannst du nicht verzichten?

00:19:24: Schreiben.

00:19:26: Wann hast du zuletzt erst was geschenkt bekommen?

00:19:29: Vorgestern, ein Gurbagnu Polova richtig schön.

00:19:33: Was gibt dir Geborgenheit?

00:19:36: Licht.

00:19:38: Was liegt unter deinem Bett?

00:19:42: Ich hab nur eine Matratze auf dem Boden.

00:19:45: Wovon träumst du nicht mehr?

00:19:48: Ich träum generell kaum.

00:19:51: Wo warst du zuletzt herzlich gelacht?

00:19:54: Ich lach nicht so viel.

00:19:57: Deine Botschaft an ein jüngeres ich?

00:20:00: Du ahnst schon, was kommt und alles wird gut.

00:20:06: Was würdest du gerne können?

00:20:10: Handwerken, ein bisschen besser, ein bisschen ordentlicher schrauben.

00:20:15: Und Boren ... ja.

00:20:18: Das war's.

00:20:20: Guck mal, war gar nicht so schlimm.

00:20:23: (Lachen)

00:20:25: Ich wollte noch mal einmal kurz zurück.

00:20:30: Du hast von Botschafter gesagt, wenn ich sage,

00:20:33: Gurbagnu kann in dem Rahmen nicht mehr tun,

00:20:37: dann möchte ich mich dann schon noch mal vorstellen.

00:20:41: Du hast ja auch als meine Aufgabe, als jemand, der betroffen war

00:20:45: und der heute Stimme sein kann, dahin zu kommen,

00:20:48: wo Entscheidungen getroffen werden.

00:20:51: Du hast gesagt, ich hab ein Buch geschrieben,

00:20:54: ich war nie stolz darauf.

00:20:56: Ich hab das am ersten Tag bekommen, ich hab das so durchgeblättert.

00:21:00: Ich hab gedacht, so macht man das mit einem Buch.

00:21:03: Man muss die Magie riechen können.

00:21:07: Ich hab versucht, den Duft der Seiten aufzusaugen.

00:21:10: Ich wollte den Duschbus machen.

00:21:12: Schreiben tue ich schon auf der Straße.

00:21:15: An den hab ich auf der Straße gedacht.

00:21:18: Ich weiß noch, wie wir den aus der Werkstatt geholt haben

00:21:22: und über die Elbbrücken nach Hamburg reingefahren sind.

00:21:26: Das ist ein krasser Moment, wenn du das Ding in deine Stadt fährst

00:21:30: und denkst, jetzt ist es geschafft.

00:21:33: Aber ich hab nichts gefühlt. Kein Stolz, kein gar nichts.

00:21:37: Dass die Tür da aufgeht, wo die Hebel gelegt werden.

00:21:41: Dann kam das tatsächlich mit diesem Bundesverdienstkreuz.

00:21:45: Ein Monat später kam der Anruf aus Berlin.

00:21:48: Die parlamentarische Staatssekretärin hat gesagt, guten Tag, Herr Blo.

00:21:53: Wir haben uns in der Regierung vorgenommen,

00:21:56: Obdachlosigkeit zu überwinden.

00:21:58: Wir arbeiten am Nationalen Aktionsplan.

00:22:02: Es wäre schön, wenn Sie da wirksam tätig werden.

00:22:05: In den nächsten Jahren darf ich die Bundesregierung beraten,

00:22:09: dass wir die Wohnungskrise lösen,

00:22:11: dass wir Wohnungslosigkeit abschaffen und Obdachlosigkeit beenden.

00:22:15: Das war der erste Moment,

00:22:17: als dieser Adler vor der Tür aufgegangen ist.

00:22:20: Ich bin da reingegangen, dass ich dachte, die Tür sollte aufgehen.

00:22:24: Ich fühl mich stolz.

00:22:26: Ich glaub, das hab ich am Abend noch mal jemanden geschrieben.

00:22:31: In diesem Fernjahr bin ich da an diesem Tisch.

00:22:35: Ich werde nicht mehr gehen, bis wir Obdachlosigkeit beendet haben.

00:22:40: Was hat dir geholfen aus der Obdachlosigkeit?

00:22:44: Wie nennt es sich das? Wohnhaftigkeit?

00:22:47: In einem Wohnungs- ...

00:22:49: In einem festen Wohnsitz.

00:22:51: In einem festen Wohnsitz. Das ist der richtige Sprech.

00:22:55: Ich glaube, es gibt zwei Dinge.

00:22:59: Das eine war ...

00:23:01: Es gab schon einen Zeitpunkt, an dem ich nicht mehr dachte,

00:23:05: dass ich 30 Jahre alt werde.

00:23:07: Ich dachte, ich verregt da draußen.

00:23:09: Ich habe überlegt, noch mal was anderes zu machen.

00:23:12: Und jede Veränderung beginnt dann am Ende doch wieder bei einem selbst.

00:23:16: Ich habe eine bewusste Entscheidung getroffen.

00:23:19: Ich habe versucht, meine Schwierigkeiten zu lösen,

00:23:23: indem ich meine Probleme genau diagnostiziert habe.

00:23:27: Ich wollte ehrlich sein zu anderen und zu mir.

00:23:30: Ich habe mich so sehr geschämt, Obdachlos zu sein,

00:23:33: dass ich es auch oft verheimlicht habe.

00:23:35: Ich habe Gutes getan.

00:23:37: Viele geflüchtete Menschen waren 2015,

00:23:40: das war ein Jahr, bevor ich von der Straße gekommen bin,

00:23:43: in Hamburg gestrandet, nachdem sie die Route überlebt haben,

00:23:46: aus Krisen und Kriegsregionen geflohen.

00:23:50: Ich kann die Sprache sprechen, ich weiß, wo es Klamotten gibt.

00:23:54: Diese Kombination aus ehrlich sein und Gutes tun,

00:23:57: die hat äußere Umstände schnell verändert,

00:24:00: aber die hat bei mir eine persönliche Entwicklung vorangebracht.

00:24:04: Das Zweite war dann, dass ich mich verändert habe.

00:24:08: Ich habe Menschen anders kennengelernt.

00:24:11: Alleine kann man immer die ersten Schritte gehen.

00:24:14: Aber als Mensch und Sozialeswesen braucht es immer wieder andere.

00:24:19: Dankbarerweise habe ich diese Menschen getroffen.

00:24:22: Die sind sehr wohlhabend.

00:24:24: Man kann das als Philanthrop bezeichnen.

00:24:27: Der Mann hat eine Stiftung,

00:24:29: ist ein ehemaliger Fußball-Profi und Möbelmogul.

00:24:32: Bobby de Kaiser ist sein Name.

00:24:34: Ich habe ihn kennengelernt, als wir Hosen gefaltet haben.

00:24:38: In der Kleiderkammer, die wir verpackt haben,

00:24:42: und den Geflüchteten überreicht haben.

00:24:45: Ich habe gesagt, ich komme von der Straße.

00:24:48: Ich bin morgens hier der Erste, und abends der Letzte geht.

00:24:51: Ich habe gesagt, du bist krass, wenn du nichts hast.

00:24:54: Ich habe ein bisschen mehr.

00:24:56: Ich möchte etwas für dich tun.

00:24:58: Ich besorg dir eine Wohnung.

00:25:00: Ich zahle ein Jahr deine Miete.

00:25:02: Dann habe ich im April 2016 die Schlüssel zu meinem ersten Wohnung bekommen.

00:25:08: Von da an konnte sich was in meinem Leben bewegen.

00:25:12: Davor habe ich gesagt, war eigentlich nur ich immer in Bewegung.

00:25:16: Aber Straße heißt heute hier und gleich da.

00:25:19: Und ein Leben von der Hand in den Mund.

00:25:22: Wo bist du hingegangen, wenn du abends von dieser Kleidergeschichte weggegangen bist?

00:25:29: Bist du morgens als Erster wieder da?

00:25:32: Ja, das war eine spannende Reise.

00:25:35: Das war dann schon so, dass ich abends immer noch rausgegangen bin.

00:25:41: Die erste Zeit lange.

00:25:43: Und einfach in dem Park, in der Nähe, die Nacht verbracht habe.

00:25:47: Bis morgens wieder jemand aufgemacht hat.

00:25:50: Aber irgendwann hat die Security vor Ort schon gecheckt.

00:25:54: Der Junge ist immer da.

00:25:56: Da hat man zusammen Kaffee getrunken. Das waren korrekte Menschen.

00:26:00: Da hat mich dann der Security-Mann irgendwann reingelassen.

00:26:04: Wenn er Nachtschicht hatte, von 22 Uhr bis 7 Uhr,

00:26:09: hat er gesagt, schnapp dir ein Feldbett und leg dich in die Halle.

00:26:13: Da lag ich alleine in einer 8.000 m² großen Messehalle.

00:26:17: Wo es superweird war.

00:26:20: Dann habe ich mich immer öfter aufgehalten.

00:26:23: Kurz bevor er seine Schicht beendet hat,

00:26:26: hat er mich immer noch duschen lassen im Büro.

00:26:29: Bei denen gab es irgendwie noch so ein Badezimmer.

00:26:32: Dann konnte ich da meinen Tag starten.

00:26:35: Umso mehr habe ich natürlich auch die Menschen

00:26:39: auf der anderen Seite des Bautshohns kennengelernt.

00:26:42: Ich habe Klamotten und andere Sachspenden gesammelt und verteilt.

00:26:46: Das waren dann keine Fremden mehr.

00:26:49: Das wurden immer mehr Freunde, auch viele bis heute.

00:26:53: Irgendwann war der Tag gekommen,

00:26:55: an dem ich dann auch auf die andere Seite kommen konnte.

00:26:59: Weil man mich eingeladen hat.

00:27:01: Plötzlich habe ich mich in einer 8.000 m² Halle

00:27:05: mit 1.300 anderen Menschen wiedergefunden.

00:27:08: Ich habe da eine lange Zeit verbracht.

00:27:11: Die letzte Station war wirklich die Kleiderkammer.

00:27:15: Bevor dann der Weg in meine eigenen vier Wände passiert ist.

00:27:19: Kurze Werbeunterbrechungen eigener Sache.

00:27:22: Mit Veto geben wir Aktivismus eine mediale Bühne.

00:27:26: Wir erzählen von denen, die aufstehen und ihre Stimme erheben.

00:27:30: Was sie wollen, was sie antreibt,

00:27:34: das les ihr jede Woche neu auf veto-magazin.de.

00:27:37: * Musik *

00:27:40: Geht in deiner Wahrnehmung der Umgang mit Wohnungslosigkeit

00:27:44: über diesen Schock- und Betroffenheitseffekt der steigenden Zahlen.

00:27:48: Irgendwie hinaus.

00:27:50: Ist die Politik, sind wir als Gesellschaft,

00:27:53: bei diesem Thema irgendwie weitergekommen?

00:27:56: Das eine ist, ob die Zahlen steigen.

00:27:59: Wir stehen daneben und machen nichts.

00:28:03: Das andere ist, dass Erzählungen und die Zahlen nicht so gut sind.

00:28:07: Auch die Narrative und die politischen Entscheidungen

00:28:10: sich sogar noch verstärken.

00:28:12: Ich kenne in der politischen Kommunikation nur zwei große Erzählungen.

00:28:16: Das eine ist Ausländer raus, der Boot ist voll.

00:28:19: Das andere ist die Frauen arbeitslosen.

00:28:22: Die Frauen arbeitslosen sind im Prinzip auch nur die Vorhölle

00:28:26: zu dem, was ich dahinter verberge.

00:28:29: Die Verachtung für arme Menschen.

00:28:33: Die sind so, wie Florida Roll, vollster arbeitsloser Deutschlands.

00:28:37: So Hartz IV TV.

00:28:39: Das Gefühl, es war immer schon furchtbar.

00:28:42: Es wird noch schlimmer.

00:28:44: Solange der Kapitalismus und das Patriarchat uns Menschen unterdrücken,

00:28:49: wird es nicht besser.

00:28:51: Das sind Geschichten.

00:28:54: Die Geschichten, die hat man uns erzählt.

00:28:58: Die haben uns geprägt und wurden anderen vor uns erzählt.

00:29:02: Das geht schon sehr lange her.

00:29:04: Darum ist es so wichtig zu sagen, dass viele dieser Geschichten

00:29:07: nur Märchen sind.

00:29:09: Das ist Zeit, diese Geschichten auszuerzählen,

00:29:13: neue Geschichten zu erzählen und neue Narrative herzustellen.

00:29:18: Das ist auch etwas, was wir brauchen.

00:29:21: Das Veränderung wird nie kommen, in dem man Gesetze auf den Weg bringt.

00:29:27: Ich glaube auch nicht, dass irgendeine, egal in welcher Form, Währung

00:29:31: Das tun könnte ja das ist immer so, dass das tatsächlich bei uns beginnt und

00:29:36: am Ende des Tages im Denken. Und als erstes müssen wir all das raus schmeißen, was wir davor

00:29:42: gedacht haben, weil vieles davon Hirngespinste sind. Und dann wiederum, wenn wir auch den Mut finden,

00:29:49: dann aufeinander zuzugehen, miteinander zu reden, dann entstehen daraus neue Geschichten. Das ist

00:29:55: einer meiner Wünsche, dass wir wirklich neue Narrative finden. Ich habe das zum Beispiel bei

00:30:01: mir ganz enorm, mich hat glaube ich in sieben Jahren hat mir noch keiner wirklich, ich will mich nicht

00:30:07: zu weit aus der Fenster lehnen, aber ich glaube entweder haben die Leute das einfach so als

00:30:11: Selbstverständlichkeit, aber trotzdem ausgesprochen. In sieben Jahren hat noch nie jemand gesagt,

00:30:17: ey, das ist wirklich krass, dass du die Straße überlebt hast. Aber ich noch nicht gehört,

00:30:25: glaube ich. Was anderes, was ich andauern höre, wofür ich die meiste Anerkennung,

00:30:30: die größte Props bekommen ist, dass ich mein Abitur auf der Straße geschafft habe. Da kommen

00:30:36: die Leute und brennen mir die Bude ein mit Gratulation. Und das ist dieselbe Gefahr. Das ist

00:30:42: ein selbes altes Narrativ, das ist eine alte Geschichte, nämlich die von dem Jungen von der

00:30:47: Straße, der nur sich hart genug angestrengt hat, fleißig war, weiter zur Schule gegangen ist und

00:30:52: sein Abi gemacht hat. Guck, wenn man nur willensstark genug ist und einfach sich anstrengt,

00:30:57: dann erreicht man das. Dann kann man auch sein Abitur auf der Straße schaffen, denn jeder kann

00:31:02: es doch schaffen. Wir sind doch unseres Glückes eigener Schmied. Dahinter bin Leute mir also

00:31:07: diese Props geben, steckt eine neoliberale Ideologie. Und das ist eine Gefahr. Und ich versuche

00:31:14: dadurch, dass ich meine Geschichte erzähle und auch in der Öffentlichkeit neue Geschichten voranzubringen.

00:31:20: Und meine Antwort dann ist immer, du, ich habe keine starke Leistung erbringen wollen. Das war vom

00:31:26: Montag bis Freitag von morgens bis mittags ein warmer, sichere Raum. Fällig gereicht gerne zur

00:31:32: Schule zu gehen. Und was ich vorhin meinte, wir sind soziale Wesen. Mensch muss immer Teil von etwas

00:31:38: sein. Als Straßendjunge habe ich mich als nichts gefühlt. Solange ich zur Schule gegangen bin,

00:31:42: wusste ich, bleib Schüler. Wenn man mich gefragt hat, was geht, sage ich, mein Name ist Dominik,

00:31:47: ich gehe zum Wirtschaftsgymnasium, dies das. Ich habe noch dazugehört. Das war für mich so wichtig,

00:31:52: dass ich so lange in die Schule gegangen bin, bis ich mein Abi hatte. Und das ist der Vergleich,

00:31:57: welche Geschichten waren wir in Zukunft erzählen. Die der Menschen, die zu mir kommen und sagen,

00:32:01: guck mal, der hat eine starke Leistung bekommen und dafür hat er ein Zertifikat erhalten,

00:32:05: auch dem Noten auf ein Blatt Papier gedruckt sind, der Hammer oder vielleicht meine neue Geschichte,

00:32:11: die ganz einfach nur sagt, ein Mensch braucht andere Menschen. Man hat das Gefühl,

00:32:17: das Gegenteil passiert gerade. Ich glaube, es hat es in dieser Form früher nicht so krass gegeben,

00:32:22: aber etwas, was sich jemals weiter verbreitet. Das heißt, es hat diesen sehr schönen Namen,

00:32:26: defensiver Architektur. Das sind statt planerische Konzepte, die Menschen von öffentlichen Orten

00:32:34: verdrängen, ja, irgendwie mit Metallbügel oder so diese Handbügel oder Armlehnen auf Sitzbänken,

00:32:43: damit sich dort Menschen nicht hinlegen können oder Blohnkübel, die unter Vordächern montiert

00:32:48: werden. Es gibt sogar unter Brücken, habe ich gesehen, so Pieksau oder so, Spikes im Prinzip.

00:32:54: Woanders lässt man die ganze Nacht die Musik laufen, damit Leute nicht schlafen können. Was sagt

00:33:00: das eigentlich über uns aus? Was sagt das über unser Zusammenleben aus, das Menschenbild,

00:33:04: über unsere Fähigkeit, Probleme zu lösen, über viel beschworene Gemeinschaft, Menschenwürde?

00:33:09: Was, also ehrlich, was sagt das über uns aus? Ja, einiges würde ich behaupten, nämlich dass es

00:33:17: eben auch nicht nur ausreicht, diese Worte zu benutzen, sondern dass da auch immer Taten

00:33:21: ausfolgen müssen, sonst bleiben Worte auch oft nur Hülsen, wenn man sie nicht füllt. Ja,

00:33:28: das ist natürlich Menschenverachten. Also gerade dieses Bikes, die du genannt hast, ja, das sind

00:33:33: spitze, stachelnd, also es ist ja nicht nur so, dass das irgendwie feindlicher Architekt, sondern

00:33:39: du kannst dich daran verletzen. Und ich denke immer, bei diesen Spikes auch da drin, wenn ich an

00:33:43: so U-Bahnhöfen bin, dann sind die auch überall, damit sich Tauben nicht drauf setzen. Das ist

00:33:48: das selbe Prinzip, als würde man Tauben abschrecken, Menschen ohne Obdach abzuschrecken. Und dann kann

00:33:57: man sich ein Bild daraus machen, würde ich behaupten. Und da geht es stetig, ich verbringe viel Zeit in

00:34:02: München, da braucht es gar keine feindliche Architektur mit. Also die Stadt an sich ist

00:34:07: schon so feindlich gegenüber den Menschen, dass am Marienplatz und am Stachhaus einfach nur

00:34:12: eine Handvoll Mensch ohne Obdach sehen wirst. Ich weiß nicht, wie die das dahin kriegen, aber die

00:34:17: Stadt ist clean as fuck. Ja, und natürlich ist das etwas, was viele Großstädte gerne haben möchten,

00:34:24: nämlich eine schöne Innenstadt, einen schönen Bereich, wo Touristen sich wohl fühlen, wo Armut

00:34:31: einfach nicht sichtbar sein soll. Und da sind wir wieder an der Standardgeschichte, wie du es

00:34:37: aussagst, da geht es nicht darum, irgendwelche Ursachen zu lösen, sondern da geht es immer nur um

00:34:42: Symptome, Verdrängung, Vertreibung, Hauptsache die Leute sind weg und was dann mit den Menschen ist,

00:34:51: ist es eigentlich egal. Und dann finden wir am nächsten Ort wieder ein Weg, das immer so weiter

00:34:58: zu fahren wie bisher. Da ist keine Besserung in Sicht, muss man ehrlich sagen. Deshalb ist es

00:35:05: ja, euer Podcast heißt ganz schön laut. Ich glaube, einer der Dekaden, wir alle wissen, was die

00:35:12: Aufgabe in Zukunft ist, aber ich glaube, was ebenso wichtig mitzudenken ist, wir brauchen irgendwann

00:35:18: eine konkrete Mehrheit in der Gesellschaft. Ja, und deswegen müssen wir Vorbilder sein und deswegen

00:35:24: müssen wir weiter überzeugen, um einfach wirklich sagen zu können, wir sind mehr und auch da wieder

00:35:30: nicht als Profilbild und nicht als Hashtag, sondern ganz real präsent zeigen, wir sind die Mehrheit.

00:35:37: Während der Corona-Pandemie und der Spielzeitpause, die ja für Fußballclubs gab,

00:35:44: hat der Milantor Stadion den Duschbus dauerhaft geparkt und so ist ein kontinuierliches,

00:35:51: verlässliches Angebot entstanden, ein Duschdorf sozusagen und als der Spielbetrieb wieder aufgenommen

00:35:57: wurde, musste das Duschdorf weichen. Es hat keine Möglichkeit gegeben, dieses Projekt in dem

00:36:03: Ausmaß weiterzuführen. Was braucht es, was braucht ihr und welche Bedingungen müssen geschafft werden,

00:36:11: damit man so etwas hinbekommt? Nicole war der Grund. Das Duschdorf, das waren drei

00:36:18: teilstationäre Anlagen, die wir da aufgebaut hatten. Man mag das immer gar nicht so glauben,

00:36:26: aber das kostet alles Geld. Das kostenlos zur Verfügung. Wir sind ein gemeinnütziges Unternehmen,

00:36:32: das heißt weg vom Profit hin zum Allgemeinwohl. Aber das, was wir da machen, das müssen wir

00:36:39: erst mal bezahlen, egal ob aus Sponsoren oder aus Spendengeldern. Und in der Tat waren die

00:36:45: Kosten so hoch, dass wir das nicht mehr leisten konnten und wir hatten da vorne Kooperation mit der

00:36:50: Behörde, mit der Behörde Mitte in Hamburg, die ist dann ausgelaufen und da gab es keine Einigung.

00:36:57: Und insofern mussten wir das Duschdorf dann schließen, fahren aber seitdem wieder regelmäßig

00:37:04: dann auch mit dem Bus St. Pauli an, um natürlich immer noch präsent zu sein in einem unserer

00:37:09: wichtigsten Stadtteile und auf unserem Kiez. Du bist ja aus Hamburg und deine Einmattstadt will

00:37:16: die Wohnungslosigkeit bis 2030 abschaffen. Das hat der Rot-Rot-Grün, ne, der Rot-Grün-renegierte

00:37:22: Senat jetzt in den Koalitionsvertrag waren, hat. Nur sechs Jahre. Ist das denn ein realistisches

00:37:30: Ziel und was braucht es, um dieses Ziel zu erreichen? Ich hätte da zwei Antworten. Also,

00:37:37: ich glaube, dass das machbar ist, aber dann muss das richtig ernst genommen werden und dann ist

00:37:44: es eine große Aufgabe und dann muss auch der Bund mit einer Finanzierung rein. Solange der Bund

00:37:51: sich raushält und sagt, dass es Ländersache und Kommunen müssen, das regeln, wird es sehr schwer.

00:37:56: Wir haben 5.000 Kommunen in Deutschland und bisher ist es so gehandhabt, dass jede Kommune

00:38:01: für sich selbst entscheidet, wie sie mit Wohnungslosigkeit und Abdachlosigkeit umbietet.

00:38:05: Das heißt, 5.000 Kommunen auf einen Nenner zu kriegen in ein paar Jahren ist eine große

00:38:12: Herausforderung. Nichtsdestotrotz leben wir natürlich immer noch in fucking Deutschland.

00:38:17: Ja, das ist schon ein ganz schön heftiges Land, was die Möglichkeiten per See mit sich bringt.

00:38:24: Ja, die Ressourcen, die wir haben, die Möglichkeiten sind da und wenn man das ausschöpft und wenn man sich

00:38:31: traut, da neue Konzepte auch anzugehen, dann gibt es ja ganz viel. Wir wissen ja nicht mal,

00:38:35: was haben wir im Bestand überhaupt mal herausfinden. Was haben wir zur Verfügung? Wie können wir

00:38:42: vielleicht Bürogebäude oder andere Nutzungsformen erschließen, die wir zu Wohnraum machen können?

00:38:48: Es geht ja nicht nur um 400.000 Wohnungen im Jahr bauen, sondern es geht auch zu sehen,

00:38:54: was haben wir. Und ich glaube, da würden wir schon viel gewinnen. Jetzt ist einfach wirklich

00:38:59: Zeit, den Schalter umzulegen und mit einer Ernsthaftigkeit und einem guten Team, was wirklich

00:39:06: aus Politik von Bund bis Kommune reichen muss, wo Menschen in der Wohnwirtschaft mit am Tisch

00:39:12: sitzen müssen, wo Menschen aus der Zivilgesellschaft mit drin sitzen müssen. Und was ich auch besonders

00:39:17: wichtig finde, da müssen auch Menschen, die betroffen sind, mit am Tisch sitzen und ihre

00:39:22: Bedürfnisse erläutern können. Und wenn die Menschen zusammenkommen, dann kann man da was auf dem Weg

00:39:28: bringen, was uns dem Ziel näher kommen lässt. Also da bin ich, ich bin Optimist. Ich glaube,

00:39:36: dass es machbar ist. Gleichzeitig auch, ich fahre den Satz immer scheiße, muss ich sagen.

00:39:41: Dieses "es kann jeden treffen", weil es kann nicht jeden treffen. Christian Lindner wird

00:39:47: einfach nicht in drei Monaten obdachlos sein. So. Wer kann in drei Monaten obdachlos sein?

00:39:54: Menschen, die viel Schulden haben und sich nicht mehr trauen, die Briefe aufzumachen. Menschen,

00:40:01: die keinen sozialen Halt haben, kein Freundeskreis, vielleicht keine Familie mehr im Leben, die

00:40:08: wirklich alleine sind und überfordert und dem Druck nicht mehr standhalten kann. Menschen,

00:40:14: die psychische Erkrankungen haben, Depressionen, die für die manchmal einfach aufstehen schon

00:40:21: nicht möglich sind, sich da vielleicht um seine Mietrückstände kümmern, die man vielleicht schon

00:40:28: hat im ersten, zweiten Monat. Das ist manchmal schon einfach zu viel. Und das sind Menschen,

00:40:34: wo dann genau wieder Sozialstaat, aber meine Gegenfrage ist immer starkes soziales Netz. Was

00:40:40: passiert, wenn alle Stricke reißen? Dann sind das lose Fäden. Und dann fällt man und dann landet

00:40:46: man ganz unten. Da bin ich mir sicher, waren bis dato eher andere Menschen im bereits prekären

00:40:52: Lebenslagen die Risikogruppe. Aber mit den neuen Zahlen und auch wie wir weiter damit umgehen,

00:41:00: sind wir immer noch in dem falschen Modus. Und das bedeutet, ich würde heute das so sehr bejahren

00:41:08: wie noch nie. Dass es tatsächlich auch jeden treffen kann, ohne jetzt groß Ängste zu schüren.

00:41:13: Wir müssen zweites Spiel spielen. Das heißt, ganz schön mutig. Das ist dein Veto Moment und du

00:41:26: erzählst von einem Erlebnis einer Person, einer Aktion, die dich beeindruckt hat. Und eine Sache,

00:41:33: die uns alle inspirieren sollte aktiv zu werden. Du hast das Wort, lieber Dominik.

00:41:38: Ganz schön mutig. Dein Veto Moment.

00:41:46: Also ganz schön mutig. Das letzte Mal, wo ich dachte, wow, finde ich krass, war heute Morgen und

00:41:55: das passiert aber jeden Tag. Da, wo ich herkomme, da, wo ich unterwegs bin, ich habe einen großen

00:42:00: Demut davor, wenn Menschen Geld fragen. In einer beschissenen Lebenssituation, ich weiß,

00:42:06: wie schwer das sein kann, nach Hilfe zu fragen, sich da vermeintlich klein zu machen, zu jemanden

00:42:11: zu kommen und zu sagen, ich brauche einen Euro, kannst du mir den geben. Das finde ich beeindruckend.

00:42:16: Ich selber hatte lange kein Geld und ich habe oft nicht Ego und Stolz geschluckt und ich finde

00:42:21: es bewundernswert, dass sich Menschen wirklich entscheiden, nach Hilfe zu fragen, nicht kriminell

00:42:26: werden, nicht mit einem Messer irgendwo auflauern oder sonst irgendwas tun, sondern wirklich immer noch

00:42:32: von Mensch zu Mensch in der Hoffnung auf einen zu gehen, dass man Hilfe erhält und deswegen,

00:42:38: wenn ich Geld habe, dann gebe ich das Geld, weil ich finde, dass es wirklich ein mutiger Schritt

00:42:43: und den sich zu wagen, das finde ich übertrieben krass. Andere Länder haben es vorgemacht,

00:42:51: wie es möglicherweise besser geht. Also in Finnland, in der Hauptstadt Helsinki gibt es das

00:42:56: Konzept oder gibt es die Idee, dass bis zum Jahr 2025 jeder wohnungslose Mensch eine Wohnung bekommt.

00:43:04: Konzept nennt sich Housing First, das heißt, Menschen kriegen einfach eine Wohnung, also das

00:43:09: schon der ganze Spuk, ohne dass bedingungslos, ohne genau, ohne dass Bedingungen gibt, sie irgendwie

00:43:15: frei sind von Krankheitsucht der Krankungen oder was ein Riesentier meister ist, auch dass ihre

00:43:20: Haustiere nicht mit dürfen und so. Du hast jetzt gerade schon verraten, dass du ein Verfechter von

00:43:27: Housing First bist. Also was macht Housing First, was anderen Konzepte nicht machen und warum bist

00:43:34: du da sehr hinterher? Ja, in Obdachlosigkeit steckt quasi schon das Problem im Wort. Es geht um Obdach.

00:43:42: Housing First gibt jedem Menschen erst einmal ein Obdach und ich glaube, das ist die Basis,

00:43:47: um ein bürdevolles Leben gestalten zu können. Finnland ist auf jeden Fall spannend, gleichzeitig

00:43:53: bin ich da auch immer sehr realistisch. Finnland ist ein kleines Land, hat 10 Millionen Einwohner

00:43:59: innen. Wir sind ja mit 85 Millionen bald dabei, das ist natürlich nochmal eine ganz andere Nummer.

00:44:05: Nichtsdestotrotz und das ist das viel wichtigere, dass es empirisch belegt, dass Housing First tatsächlich

00:44:13: Menschen, die mal auf der Straße gelebt haben, nicht wieder dahin bringen, sondern dass das eine

00:44:18: langfristige, dauerhafte Lösung ist, um einfach wieder in einem geregelten Leben zu bleiben. Und das

00:44:28: ist schon alles und das ist für mich nochmal wichtig auch zu sagen, dass mir das zu langsam geht,

00:44:37: was hier passiert. Wir starten das so mit Pilotprojekten, wo dann 25 Leute ausgesucht werden.

00:44:43: Um die Sachen dann in fünf Jahren zu evaluieren, das ist schon alles passiert. Das ist schon alles

00:44:51: irgendwie Praxis getestet, es gibt empirische Studien dazu und alles weist deutlich darauf hin in

00:44:59: der Wissenschaft, dass es der Weg wie man Obdachlosigkeit verhindern kann und dauerhaft lösen.

00:45:05: Und da wünsche ich mir tatsächlich auch wieder in der Politik den Mut zu sagen, ja, wir trauen uns

00:45:10: jetzt mal mehr zu, als zwei Dutzend Menschen von der Straße zu holen, um das ein paar Jahre zu testen

00:45:16: als Projekt, sondern zu sagen, das nehmen wir von unseren Nachbarn und das machen wir jetzt

00:45:24: größer, um das schnellstmöglich zu verstetigen. Wie sieht deine Utopie aus, wenn kein Mensch mehr

00:45:29: Obdachlos oder wohnungslos ist? Was passiert dann? Was macht das mit einer Gesellschaft?

00:45:36: Ja, ich mache keine Utopien. Mir ist natürlich auch klar, dass Obdachlosigkeit ein dynamisches Problem ist.

00:45:43: Wir wissen nie, wann die nächste Flut kommt, wir wissen nicht, wann der nächste Krieg kommt. Wir

00:45:51: wissen viele Dinge in der Welt nicht, die dazu führen, dass Menschen ihr Obdach verlieren. Das kann

00:45:57: hier in Hamburg sein, im Bundesgebiet oder darüber hinaus und insofern wird Obdachlosigkeit in irgendeiner

00:46:04: Form immer da sein. Der Weg, wie wir damit umgehen, das ist das Spannende und ich finde eben Obdachlosigkeit,

00:46:11: Wohnungslosigkeit wird gerne abgegrenzt vom Thema Wohnen. Dabei finde ich, sollte es absolut da

00:46:17: reingehören. Wir brauchen bezahlbaren Wohnraum für alle in den nächsten Jahren und dann sind wir beim

00:46:23: übergeordneten Thema. In allen Belangen geht es natürlich um soziale Gleichberechtigung.

00:46:29: Da müssen wir die Voraussetzungen schaffen, dass hier die Menschen dieselben Möglichkeiten haben

00:46:33: und das würde sich verändern und da bin ich mir sicher, würde natürlich auch in großer Nutzen,

00:46:41: sowohl für uns als Gesellschaft entstehen, aber natürlich auch wieder für ganz viele andere

00:46:46: Dinge Stichwort Fachkräftemangel. Natürlich haben Menschen auf der Straße Potenziale und haben

00:46:53: Fähigkeiten, die sie gerne auch entwickeln und entfalten möchten und natürlich möchte man

00:46:58: einen Teil dazu beitragen, irgendwie nützlich zu sein. Das sind alles Sachen, die Sinnstiften sind

00:47:04: und insofern, bevor wir Menschen ihren Schicksalen auf der Straße überlassen, würde ich gerne und

00:47:10: das ist für mich, glaube ich, eines der wichtigsten Dinge auch wieder, wo wir bei Narrativen sind.

00:47:15: In Deutschland, in unserem System, das Prinzip heißt fordern und fördern. Das würde ich gerne

00:47:24: tauschen. Wir müssen neu denken und ich würde sagen, ich bin eigentlich hier in der Position,

00:47:30: wo ich, ich habe die Ressourcen, ich habe die Human Power statt mit dem Finger immer noch

00:47:34: nach unten zu zeigen, weil das ist auch wieder eine neoliberale Ideologie. Wir haben doch hier

00:47:40: genug Angebote, du musst nur das tun, dann wird dir geholfen. Ich fordere was von dir und dann

00:47:46: förde richtig. Ich kann aber statt mit dem Finger zu zeigen, meine Hand ausstrecken, dich auf die

00:47:52: Beine holen, sagen, wir können uns jetzt in die Augen schauen. Bis hierhin habe ich dich gefordert

00:47:59: und jetzt können wir gucken, was wir gemeinsam hier für die Gesellschaft und mehr gestalten

00:48:04: können. Ich glaube, dann wäre das hier ein positiveres Zusammenleben. Es gibt ja vermeintliche Helfer

00:48:14: und Hilfsgeschichten und vermehrt nicht mehr nur in der Kirchenzeitung, sondern auf YouTube durch

00:48:23: sogenannte irgendwelche Influencer, die dann irgendwelche Sachen anordnen. Die Leute von der

00:48:30: Straße so und stylen die um oder kriegen den Arsch nicht und dann landet das dann als Mem

00:48:37: auf Reddit. Ich habe das ein paar Mal gesehen, weil es mir irgendwie dann beim Scrollen so

00:48:42: untergekommen ist und ich hatte immer ein ganz seltsames Gefühl. Ich hatte immer das Gefühl,

00:48:48: ja, Hilfsleistung ist das eine, aber hier wird doch auch gerade Content produziert auf dem Rücken

00:48:54: von irgendwelchen wohnungslosen Leuten oder ist das etwas, wo du sagst, Nini, das ist schon gut,

00:48:59: weil hier Aufmerksamkeit stattfindet und etwas Gutes passiert oder siehst du das eher kritisch,

00:49:05: weil das instrumentalisiert wird? Dein Gefühl täuscht ich nicht. Ich verabscheue solche Videos. Ich finde

00:49:12: natürlich, dass das eine inszenierte Darstellung ist, dass da mit der Form der Hilfe und der

00:49:18: Mitmenschlichkeit gehandhabt wird, aber dass das nur Mittel zum Zweck ist und dass das natürlich

00:49:24: am Ende auch wieder nur darum geht, Profite zu generieren mit Werbeeinnahmen, die in den

00:49:30: Zwischensequenzen mal laufen oder am besten Fall, wenn du Influencer sagst, danach nochmal sein

00:49:35: Produkt in die Kamera halten und dann mit den Emotionen spielen, die man da auslöst. Denn am

00:49:43: Ende berührt das natürlich Menschen, wenn andere Menschen helfen. Aber ja, es gibt ja dann in

00:49:50: den Kreisen auch das einfache Wort, das ist alles Fake. Das ist Fake Shit und das hat nichts mit

00:49:56: Herz zu tun und das hat auch nichts mit Würde zu tun und insofern, da spielen Menschen auf der Straße

00:50:02: die Schauspieler. Das ist quasi eine Ressource für mich, die da genutzt wird, um seinen eigenen

00:50:09: Content-Guy zu produzieren und ein schickes Video zu machen, das Millionen Klicks generiert und neue

00:50:15: Follower bekommt und dann wiederum mehr Geld in die eigene Kasse spürt. Ich finde auch immer dann

00:50:21: das Gegenargument schwierig zu sagen, hey, das ist doch aber gut, wenn jemand einen neuen Look hat

00:50:26: oder seinen Lieblingsessen bekommen hat oder ein bisschen 100 Euro Schein erhalten hat. Das finde

00:50:32: ich auch alles cool. Ich finde auch, dass sollten wir Menschen öfter tun. Aber ich halte keine Kamera

00:50:39: drauf, schon gar nicht versteckt. Ich überrede nicht Menschen das zu tun und nutze die Not aus,

00:50:45: indem ich ihn 100 Euro gebe und sage, dann muss aber nur das Video veröffentlicht werden. Der Weg

00:50:51: bis dahin, der ist menschenverachtend und ich kann das alles Gutes tun, ohne ohne es zu filmen und

00:50:58: ohne es irgendwie in der Öffentlichkeit zu verbreiten. Du bist jetzt aber in der Öffentlichkeit,

00:51:03: du bist eine öffentliche Person, Autor, man kennt dich, man lädt dich einzugesprechen, du sitzt mit

00:51:10: einflussreichen Leuten am Tisch, hast du manchmal das Gefühl, dass dir zu viel wird? Bist du manchmal

00:51:18: frustriert, dass du zu viele Gespräche fühlst, sich aber doch so wenig ändert? Als jemand,

00:51:24: der mit Gobanio unterwegs ist, kannst du ja alles selber entscheiden. Du kannst einfach Sachen

00:51:29: machen, du kannst direkt Einfluss nehmen und etwas Sinnvolles tun. Wohingegen, wenn du politisch

00:51:37: unterwegs bist, ist alles eine sehr frustrierende Erfahrung. Wie gehst du damit um? Auch mit

00:51:45: Politikerinnen, Julia Klöckner hat dir wohl mal gesagt, wenn man nur will kann man das schaffen,

00:51:49: niemand muss in Deutschland wohnungslos sein. Da prallen Sachen aufeinander, deine Lebensrealität,

00:51:56: die Lebensrealität dieser Leute, teilweise muss man sagen, auch menschenfach,

00:52:00: Neinstellungen, völlige Weltfremdheit, du da mittendrin. Wie stellt man sich das vor?

00:52:06: Also Struggle natürlich damit nie tatsächlich, weil ich einfach mal überleben musste, alles,

00:52:13: was ich heute mache, bin ich nur dankbar für. Ich sehe das auch als meine Aufgabe. Und ich glaube,

00:52:19: ganz viele meiner Fähigkeiten, einer meiner Stärken ist Geduld haben und das Wissen,

00:52:26: das Veränderung Zeit braucht und das ist immer wieder Gespräche und den Dialog braucht. Und

00:52:32: ich bin auch jemand, der einfach glaubt, dass es nur zusammen geht, egal wie weit wir auseinander

00:52:37: sind. Am Ende des Tages würde ich mich mit Julia Klöckner immer wieder hinsetzen, wenn sie noch

00:52:42: im Kabinett wäre, vielleicht gemeinsam im Kompromiss zu finden. Das ist schon was, was ich immer wieder

00:52:50: mitnehme. Es ist ein Marathon und kein Sprint. Und ich versuche einfach, ja, mit dieser Mission

00:52:59: dabei zu bleiben. Und es fühlt sich aber auch so an, als, das ist mein gewählter Weg. Der

00:53:06: zermürgt mich nicht, daraus schaff ich immer nur mehr Mut. Und du hast Recht hier und da gibt es dann

00:53:13: die Momente, aber ich sehe eben auch die andere Seite und was möglich ist, wenn man Menschen erreicht,

00:53:19: dann entsteht zum Beispiel so was wie Gumbagno und der Duschbus. Und insofern, ich versuche weiter

00:53:26: dahingehend zu wirken, dass wir alle irgendwann auf einer Seite stehen und dass der Satz in Deutschland

00:53:33: muss kein Mensch auf der Straße leben, irgendwann vielleicht im besten Fall wirklich wahr wird.

00:53:40: Wie sieht deine lebenswerte Stadt der Zukunft für alle Menschen in deiner Vorstellung aus?

00:53:46: Cooler, grüner, die Innenstädte, glaube ich, nordischer sind ein Ort, den wir als Stadt wieder

00:53:56: zurückerobern sollten. Ich fand das in Corona schon heftig, wie wir uns manche Orte einfach

00:54:03: wieder geholt haben, weil man nirgends wo rein gehen konnte. Im Grunde gibt es viele schöne Plätze

00:54:08: und die sind aber Menschen leer und das würde ich mir, glaube ich, wünschen, dass wir da die Stadt

00:54:13: anders gestalten und natürlich auch mit der Gesellschaft und insofern, ich finde, Bürgerräte

00:54:19: sind eine geile Sache. Ich glaube, das ist ein gutes Konzept des Menschen, die auch vor Ort sind

00:54:25: Entscheidungen mit Treffen, Menschen, die Entscheidungen nicht nur treffen, weil sie gewählt sind

00:54:30: und wieder gewählt werden möchten und dann das tun, was ihre Wähler*innen eigentlich gerne hören

00:54:36: möchten, sondern in so Bürgerschaften da entscheiden Leute und danach gehen sie wieder in ihren

00:54:41: Alltag und ich würde nichts für mich entscheiden, was erst mal scheiße ist, wenn ich da wohne und

00:54:47: würde dann schon gucken, dass ich mir da bestmöglich was ausdenke, was allen zu Nutzen kommt und in

00:54:54: sofern würde ich mir auch das Zusammenkommen von Zivilgesellschaft und Behörde, Politik wünschen,

00:55:00: um gemeinsam zu überlegen, wie sieht eine Stadt für alle aus? Wir sind am Schluss angelangt. Wir

00:55:07: enden immer damit, dass inhaltlich der Gast das letzte Wort hat. Das wär's in diesem Fall du und

00:55:15: zwar mit einer Werbe anzeigen. Du kannst Werbung machen für dich, für dein Produkt, für irgendeine

00:55:21: Sache, die dir wichtig ist, für eine Kampagne, für eine Dienstleistung, für egal was. Du hast

00:55:28: ein paar Minuten Zeit und es geht jetzt los. Oh, ganz schön, wichtig. Platz für deine Werbeanzeige.

00:55:41: Cool, also ich habe glaube ich noch nie Werbung gemacht. Ich werde auch nie für mich selber

00:55:53: werben. Ich werde oder ich wünsche mir gerne einen Augenmerk zu richten auf das Sonnenscheinkaffee.

00:55:59: Das Sonnenscheinkaffee ist initiiert von Gülay Ulas, auch Mitgründerin von Gobanyo, einer der

00:56:06: ersten Menschen, der ich damals von der Duschbus-Idee erzählt habe. Wir sind sehr gute Freunde geworden

00:56:13: und sie hat sich dem Thema sehr angenommen und nicht nur, dass sie mit Gobanyo gegründet und auf

00:56:19: den Weg gebracht hat, hat sie auch in einer kalten Winternacht im Jahr 2018 entschieden, dass

00:56:26: Sonntags an den viele öffentliche Einrichtungen geschlossen sind, der Bedarf hoch ist, dass

00:56:31: Menschen ohne Obdach aber dann keine Anlaufstelle haben und sie hat das Sonnenscheinkaffee ins Leben

00:56:36: gerufen und macht also seit über oder bald sechs Jahren jeden Sonntag die Matilde Bar auf. Da gibt es

00:56:45: Kaffee, da gibt es Kuchen, die ganze Nachbarschaft ist eingeladen, da wird manchmal Fußball geguckt

00:56:50: und dann wird laut gegrüllt und ich komme da rein und dann gibt es die Momente, wo ich mich im Raum

00:56:55: umsehe und dann kann ich nicht mehr unterscheiden. Wer ist hier der Mensch ohne Obdach und wer ist

00:57:01: hier einfach nur ein Nachbar und das sind wunderbare Orte, denn man muss das nicht immer nur getrennt

00:57:06: denken. Ja, Menschen ohne Obdach, die gehören in unsere Community, die gehören in unsere

00:57:11: Nachbarschaft und das sind Menschen in unseren Städten und Orte, an denen man gemeinsam cool

00:57:16: Zeit verbringen kann, die gibt es immer noch sehr rar und deswegen, das Sonnenscheinkaffee ist für

00:57:21: mich ein Vorbildprojekt, ist mit ganz viel Liebe gemacht, mit sehr viel leckerem Kuchen, sehr gutem

00:57:27: Kaffee und braucht tatsächlich sehr viel Unterstützung, weil viele Menschen hasseln einfach wirklich

00:57:34: jeden Tag ganz im Schweigen, im Stillen, nicht so wie diese verdammten Influencer, die das alles

00:57:41: teilen müssen. Da gibt es Leute wie Gülay, die alles geben und im Grunde bekommen, dass nur wenige

00:57:48: Menschen mit, deshalb wenn ich jetzt die Plattform hab, dann ist es auf jeden Fall das Sonnenscheinkaffee,

00:57:53: was ich herzlich empfehlen kann und was es sich absolut lohnt zu bewerben. Das war Dominik

00:58:01: Bloh, Gründer und Botschafter von Go Banjo. Dominik, vielen Dank, dass du da warst. Ihr hört ganz

00:58:08: schön laut der Podcast des Veto Magazines immer abwechseln mit Steven an Palaggan, das bin ich

00:58:13: und Nenir Laigrande, meine geschätzte Kollegin, die nächstes Mal wieder dran ist. Ich kann nur sagen,

00:58:19: schön, dass du da warst, lieber Dominik, schön, dass ihr zugehört habt. Ich finde, das war eine echt

00:58:24: spannende, inspirierende und auch tiefgründige Folge. Ich hoffe, ihr abonniert uns überall,

00:58:32: da wo es Podcast gibt. Empfehlt uns weiter und ich sage mal, vielen Dank. Auf Wiedersehen. Ciao.

00:58:37: Vielen Dank. Ciao.

00:58:39: Hey, bist du noch da? Dann bis bald. Du hörst ganz schön laut den Veto Podcast. Alle zwei Wochen,

00:59:02: überall wo es Podcast gibt. Und bis dahin, folgt uns auf Instagram und TikTok.

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